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Der Mann hinter «gaybasel.ch»
Johananes Sieber hat mit «gaybasel.ch» der Basler Szene den Rücken gestärkt.
Erst vor drei Jahren wurde «gaybasel.ch» als ehrenamtliches Projekt gestartet und ist inzwischen zu einer Nonprofitorganisation herangewachsen, die der Gayszene in Basel starken Auftrieb gegeben hat. Eben hat Johannes Sieber darüber seine Diplomarbeit geschrieben und will das Konzept nutzen, Gelder für die Weiterarbeit zu generieren.
Derzeit ist Johannes Sieber daran, an der Uni Basel sein Studium der Richtung Kulturmanagement abzuschliessen. Die Diplomarbeit ist geschrieben zum Thema «Nonprofitorganisation gaybasel.ch». Jetzt im September steht er mitten in den mündlichen Prüfungen. Im Kulturmanagement geht es darum, wirtschaftliche Aspekte in Kontext zu Kultur zu bringen. Ein zweijähriger, berufsbegleitender Nachdiplom-Studiengang vertieft kulturelles und interdisziplinäres Wissen und erweitert Management-Kompetenzen. Sieber ist bereits seit vielen Jahren in der Öffentlichkeitsarbeit u.a. für Kulturschaffende tätig. Zum Beispiel für Bands. Geschrieben hat er schon immer gerne. Auch während seiner technischen Ausbildung, die er als Maschinenzeichner abschloss. In dieser Zeit suchte eine Lokalredaktion Leute. Sieber ging hin, hängte den gelernten Beruf an den Nagel und schrieb von da an für die Zeitung.
Die Anfänge von «gaybasel.ch»
Triebfeder, «gaybasel.ch» auf die Beine zu stellen, war im Jahr 2005 das eigene Bedürfnis, zu wissen, was, wann und wo in Basel in der lesbischwulen Szene läuft. «Ich habe mit meinem damaligen Freund zusammen erkannt, dass man sehr schnell nicht mehr weiss, was in der Gayszene los ist, wenn man nicht Woche für Woche in die Bars oder an Parties geht», resumiert Sieber heute. Er und sein Freund haben angefangen, Infos zu sammeln und da sie auch im Webbereich erfahren waren, gestalteten und programmierten sie den Internet-Auftritt «gaybasel.ch» - in einer Wochenend-Aktion. Auf einmal wunderte man sich, dass es in Basel doch ein veritables Angebot für Lesben und für Schwule gibt. Ein Gaymedium titelte damals: «In Basel explodiert die Szene». «Dabei war das ganze Angebot schon da, wir haben es einfach sichtbar gemacht», meint Sieber dazu.
Die Gay-Stadt Basel
Basel ist eine offene Stadt. Mit leichtem Stolz erwähnt denn auch Johannes Sieber, dass die Stadt Basel bei der Abstimmung zum Partnerschaftsgesetz mit 68 Prozent Ja-Stimmen die Nase schweizweit zuvorderst hatte. Damit wäre Basel prädestiniert, die Gay-Metropole der Schweiz zu sein... wenn da halt nicht Zürich wäre. Sieber sieht die Stärke von Zürich: «Wenn in Zürich etwas auf die Beine gestellt wird, treten die Zürcher damit selbstsicher auf. Sie scheuen sich nicht, mit ihrer Leistung auch etwas ‹anzugeben›. Ein Stück weit braucht es das, um wahrgenommen zu werden. Diese Mentalität fehlt in Basel. Hier hat man weniger Selbstvertrauen. Man macht eher auf Understatement.» Selbstsicherer ist man aber unterdessen in Basel doch geworden. Ob in den vergangenen drei Jahren dank «gaybasel.ch» die Szene diesen spürbaren Aufschwung erlebt hat, bejaht Sieber, doch er will das nicht auf sich beziehen: «Da gibt es eine Menge Leute, die daran gearbeitet haben. Aber ich denke schon, dass dieses Sichtbarmachen der Szene die Veranstalter angespornt hat, weiterhin und auch vermehrt für die Szene aktiv zu sein.»
Anderswo kaum denkbar
Im Juni 2008 fand die zweite GayBasel-Party «Das Schiff» im Rheinhafen Basel statt, bei der sich das «gesamte bunte Treiben der Stadt Basel» zum gemeinsamen Happening versammelte. Auch wenn wenig Geld zur Verfügung steht, stellen sich DJs und Labels für diesen Grossanlass in Basel gerne zur Verfügung. Alle waren sie da und haben mitgemacht. In welcher Stadt sonst ist so ein Zusammenarbeiten und ein Zusammenhalt denkbar? Die Party ist in bester Stimmung erfolgreich verlaufen.
Als weiteres Beispiel der besonderen Qualität dieser Stadt erwähnt Johannes Sieber «DJ Mary». Seit 10 Jahren organisiert sie ihre «Colors Woman only»-Parties in Basel. Nun ist sie auf Marco Redofli zugegangen, der die «Pussycat OTD»-Gayparties veranstaltet. Beide Veranstaltungen finden jeweils am letzten Samstag im Monat statt: «Darum sollen wir einmal etwas zusammen machen. Etwas wirklich Grosses, weisch», meinte Mary am Telefon zu Marco. Und dieser sagte zu. Am 27. September 08 gibt’s gemeinsam eine Riesen-Sause im Volkshaus Basel. Für Sieber macht solcher Zusammenhalt die Qualität von Basel aus, auch wenn alles ein bisschen einen provinzielleren Charakter hat als in Zürich. Oder gerade deswegen?
Wie geht’s weiter?
Nach dem Diplomabschluss wird Johannes Sieber ganz klar am Projekt gaybasel.ch weiterarbeiten. Mit dem Geschäftsplan seiner Diplomarbeit will er Förderungsgelder beantragen. Denn in Zukunft sollen seine Informationen nicht nur auf «gaybasel.ch» publiziert, sondern seine Zusammenfassungen auch in andere Medien erscheinen.
Dafür aber kann man kein Geld verlangen. Um «gaybasel.ch» aber auf sichere Beine zu stellen, ist ihm der «Kulturförderungsgedanke» wichtig.
Ein erster Erfolg steht schon an: «Ab September starten wir eine Zusammenarbeit mit der Kulturzeitung, einem Monatsmedium der Stadt Basel. Darin können wir einen Gaycorner platzieren. Das ist für mich ein Erfolg. So wird man sichtbar.»
von Martin Ender
Link: www.gaybasel.ch
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