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heizue
das neue Programm von schmaz
Der schmaz bleibt diesmal musikalisch in der Schweiz und tritt mit fünf phänomenalen MusikerInnen aus dem Unterengadin – den Fränzlis da Tschlin – auf. Zu hören gibt es Schweizer Volkslieder, Lieder von Mani Matter, Artur Beul, dann Domenic Janetts Volksmusik-Kantate und «Fort und Fort» von Daniel Fueter als Uraufführung. Und – der schmaz jodelt!
Immer schon und noch – und wieder vermehrt – ist Volksmusik auch experimentelle, neue Wege gegangen und hat damit die Tradition bereichert. schmaz bringt mit «heizue» einen bunten Strauss und Ils Fränzli da Tschlin als Gäste setzen noch ein Glanzlicht drauf. Wir haben uns mit Andrea Ruckstuhl, dem Präsidenten des schmaz, unterhalten.
Cruiser: Nachdem der schmaz am Anfang seiner erfolgreichen Karriere immer wieder inszenierte Programme brachte, wie schmaz im mond, schmaz ahoi! oder schmazTell, um nur einige zu nennen, bringt ihr nun öfters Programme mit Gästen. Warum?
Andrea Ruckstuhl: Franz Hohler war in «ein Schubertabend» bei uns im Programm zu Gast, jetzt sind es die Fränzlis da Tschlin in «heizue». Unser Publikum bekommt so drei Dinge aufs Mal: Chormusik, Solodarbietungen unserer Gäste und das Zusammenspiel zwischen Chor und Gästen. Erst ein Zusammenspannen macht Musikalisches möglich, das wir als Chor oder unsere Gästen alleine nicht bieten könnten. Mit «a cappella», dem Programm, mit welchem wir vor einem Jahr auftraten, sprachen wir bewusst wieder einmal die Freunde von nicht begleiteter Männerchormusik an.
Wie seid ihr auf Fränzlis da Tschlin gekommen, eine Gruppe die (meines Wissens) hier im Unterland relativ unbekannt ist?
Wir stellten das schmaz-Jahr 2008 unter das Motto «Volkstümlich». Wir hatten Lust, für uns und mit unserem Publikum musikalisch Neu-land zu betreten. Volksmusik ist urtümliche,kräftige, geradlinige Musik. Und sie ist viel mehr als das, was ihr vom gängigen Ländler-Klischee her anhaftet. Darum stand eine Volksmusik-Formation auf unserer Wunschliste. Selbst Laien wird nach kürzester Recherche klar: An den Fränzlis führt kein Weg vorbei. Die Fränzlis sind alle phänomenale MusikerInnen mit klassischer Ausbildung. Sie pflegen ihre regionale Volksmusik mit genau gleicher Professionalität und Hingabe, wie deren eigene Weiterentwicklungen ins Jazzige und Weltmusikalische. Ja, aber wie sind wir auf die Fränzlis gekommen? Ein schmaz-Vorstandsmitglied kommt aus dem Unterengadiner Nachbarsdorf, kennt die Fränzlis und hat den Kontakt eingefädelt.
Täuscht der Eindruck, dass man nicht mehr so oft von schmaz spricht und hört? «ostwärts» jedenfalls ging zum Beispiel völlig an mir vorbei.
In den 90ern war ein schwuler Chor in der Schweiz noch etwas ganz Aussergewöhnliches. An schwingen-de Bauern, an politisierende Frauen war man sich gewohnt, an singende Schwule nicht. Das erregte Aufsehen, provozierte allenthalben. Ein schwuler Männerchor war etwas Neues. Und ist es in ländlichen Gebieten auch heute noch. Es gibt sie noch, die Bemerkungen hinter vorgehaltener Hand, wenn wir auftreten: «Das sind sie jetzt also…». Das ist nie böswillig, sondern Ausdruck von Neugierde, von einem über das Musikalische hinausgehenden Interesse, das man einem Hetero-Männerchor nicht entgegenbrächte. In Zürich und Umgebung ist der schmaz im Kulturleben und in der schwul-lesbischen Szene über all die Jahre zu einer festen Grösse geworden. schmaz ist ein guter Laienchor unter anderen guten Laienchören. Wir sind heute dort, wo wir immer hin wollten: Ein Chor, der wegen der musikalischen Qualität ernst- und wahrgenommen wird und nicht etwa «nur», weil wir ein schwuler Chor sind. Nur wenn wir das erreichen, können wir innerhalb und ausserhalb der Gay-Community Botschafter und Anwalt für schwule Anliegen sein. Das Ganze hat auch Kehrseiten: Eine finanzielle und eine, die das betrifft, was du in deiner Frage ansprichst. Während wir anfänglich von der öffentlichen Hand immer sehr grosszügig unterstützt wurden, bekommen wir inzwischen die – nachwachsende – Chor-Konkurrenz stärker zu spüren. Wir reagieren auf drei Ebenen: wir versuchen unseren Publikumsstamm auszubauen, neue private Finanzierungsmöglichkeiten zu erschliessen und auf der Ausgabenseite so fantasie- und sinnvoll wie möglich auf die Bremse zu treten. Wenn ich jetzt höre, dass unser Frühlingsprogramm «ostwärts – schmaz mit Srdjan» an dir vorbei gegangen ist, heisst das für mich, dass unsere eben angesprochenen Anstrengungen nicht optimal waren. Da müssen wir uns schlicht verbessern.
Man hörte immer wieder mal, dass der schmaz Mühe hat, Nachwuchs zu finden. Ist das so, und wenn ja, welches sind die Gründe?
Wir sind seit Jahren immer etwa 40 Sänger. Das ist eine gute Zahl. Und wir hatten immer das Glück, dass wenn nach Abschluss eines Programms ein, zwei Sänger austraten, bald wieder neue dazukamen. Wir haben eher mal das Problem, dass sich die Sänger nicht gleich gut auf die vier Stimmlagen verteilen. Aktuell sind zum Beispiel erste Tenöre gesucht. Nachwuchs ist natürlich immer gerne gesehen. Das Durchschnittsalter in vielen Schweizer Männerchören nährt ja leider immer noch das Klischee, Singen sei etwas für den reifen Herrn ab 50. Im schmaz singen Männer zwischen 20 bis Mitte 60. Gleich noch ein konkretes Angebot: Wer Lust hat, im schmaz zu singen, kommt am 24. November um 19.15 ins Zürcher Schulhaus Limmat A, Limmatstrasse 90 zur Schnupperprobe. Da kann sich jeder ein Bild machen, wie wir proben und was die Anforderungen sind.
Ein Blick in die Zukunft. Darf schon verraten werden, was nächstes Jahr geplant ist?
Aber gern doch. Anfangs Mai geht der schmaz ans Various Voices Festival in London. Wir hoffen, mit Ausschnitten aus unserem betont schweizerischen Programm die Ohren und Herzen des Londoner Publikums und der Sänger und Sängerinnen der anderen Chöre zu erobern.
Am 20. Mai sind wir ans renommierte Bachfest in Schaffhausen eingeladen. Wir singen dort die Judas-Passion von Daniel Fueter, die wir 2002 anlässlich des Karfreitagskonzertes im Zürcher Grossmünster uraufführen konnten.
Weitere Auftritte sind im Rahmen der EUROPRIDE 09 und des Aids-Kongresses in St.Gallen geplant. Und in der zweiten Jahreshälfte stehen bereits die grossen Vorarbeiten und Proben für unser 20-Jahr-Jubiläum im Jahre 2010 an. Davon verrate ich hier erst so viel – wir feiern das Jubiläum gleich mit zwei Programmen. Im einen werden wir zusammen mit dem Tonhalle-Orchester in der Tonhalle auftreten, im zweiten einen musikalischen Rückblick auf 20 Jahre schmaz präsentieren.
Interview: Kurt Büchler
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