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Mister-Gay-Wahlen in der Endrunde
Bis zum 28. November kann man den Stimmenvorrat seines Favoriten noch
vergrössern.
Neun Finalisten stehen nach der ersten Wahlrunde fest. Sie haben bereits strenge Zeiten hinter sich – mit Fotoshootings und etlichen Pflicht-Besuchen in den Clubs. Und im Kampf um den Titel steht ihnen noch einiges bevor. Zum Beispiel die sicherlich aufs Glatteis führenden Fragen einer France Delon am 8. November im T&M.
Oliver Eschler hat die Gay-Wahlen nach rund vier Jahren wieder aufleben lassen. Er erfindet das Rad zwar nicht neu, hat aber den gesamten Anlass etwas anders als früher aufgegleist. Er wollte sich nicht beschränken auf eine Vorwahl im Internet und einen einzigen finalen Grossanlass. Vielmehr hat er bereits auf dem Weg zum Halbfinale etliche Parties in verschiedenen Städten organisiert. Dabei sollte das Publikum die Kandidaten hautnah erleben können und die Stimme an Ort und Stelle abgeben. Über Einträge in den «Friendslists» konnte man zu einem günstigeren Party-Eintritt kommen und erst noch seinem Favoriten 20 Punkte zuschanzen. Gemäss Eschler kamen so insgesamt «überwältigend viele Stimmen» zusammen.
Hartes Finalistenleben
Dieses Prozedere hat die Kandidaten auf eine harte Probe gestellt. Eschler führt ein Beispiel an: «Morgens um sieben Uhr kamen die Kandidaten von einem Anlass in Luzern nach Zürich zurück, um neun Uhr begann das Fotoshooting bis gegen Mitternacht und anschliessend präsentierten sich die Männer noch in der Sonntagsschule bis morgens um 5 Uhr. Das ist zwar streng, zeigt aber auch, dass einer was durchsteht. Der Weg zum Mister Gay soll ja kein Sonntagsspaziergang sein und nur mit einem schönen Gesicht erreicht werden können.»
Mister Gay Eigenschaften
Nun stellt sich natürlich die Frage, wie beschaffen ein Mister Gay denn sein muss und warum überhaupt ein Mister Gay gewählt werden soll, wenn es Jahre ohne ging. Für Eschler ist klar, dass wieder ein Mister Gay her muss und er holt aus: «In meinen letzten Ferien hatte ich viel gelesen. Immer ging es wieder um das Thema Aids, vor allem im Zusammenhang mit der schwulen Lebensweise, um Darkroomgeschichten, um Enthüllungen, um Club-Probleme... immer in einem negativen Kontext. Ich stellte fest, dass immer noch viele Vorurteile da sind. Kaum mal wird der Schwule positiv und cool dargestellt. Darum brauchen wir einen positiven Botschafter. Wir brauchen jemanden, der die Gayszene vertritt. Ein cooler Typ, der Schwulsein wertneutral und zugleich positiv herüberbringt.»
Optimismus trotz Finanzkrise
Nun stehen also neun Halbfinalisten vor dem Endspurt zum Mister-Gay-Titel. Dass aufgrund der Finanzkrise die noch anstehenden Parties und das grosse Finale in der alten Börse in Zürich nicht gut besucht sein könnten, davon geht Eschler nicht aus: «Ich habe bei vergangenen Krisen und Rezessionen festgestell, das die Yuppie-Läden in solchen Situationen ein bisschen leiden. Nicht weil die Stammgäste kein Geld mehr hätten, nein, weil sie sich vorübergehend an solchen Orten nicht mehr zeigen mögen. Es wird zuhause gefeiert. Man macht auf Bescheidenheit. Aber generell gesehen, gefeiert wurde immer, besonders in Krisenzeiten. In schlimmen Zeiten hat der Mensch ja das Bedürfnis abzuschalten und in eine andere Welt zu tauchen.
Und das ist für Eschler nebst aller Ernsthaftigkeit der Mister-Gay-Wahl wichtig: «Das ganze Drumherum ist ja auch Unterhaltung. Das Geld der Sponsoren und jenes aus Ticketverkäufen wollen wir dafür einsetzen, beste Unterhaltung zu bieten.»
Von Martin Ender |