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HIV – auf hohem Niveau stabil
Vor allem bei schwulen Männern konnte die Epidemie bisher nicht gestoppt werden
Auch 2008 infizierten sich in der Schweiz wieder deutlich mehr homosexuelle Männer mit dem HI-Virus als im Jahr zuvor. Die HIV-Epidemie in der Schweiz sei «stabil, aber auf sehr hohem Niveau» bilanziert das BAG.
Insgesamt stieg die Zahl der Übertragungen bei Männern und Frauen gegenüber dem Vorjahr nur leicht an, wie aus den neuesten Zahlen des Bundesamtes für Gesundheit BAG hervorgeht, die anfangs Februar veröffentlicht wurden. Bis zum 31. Dezember 2008 wurden dem BAG 766 neue HIV-Diagnosen gemeldet. Da in den nächsten Wochen mit 20 bis 30 Nachmeldungen gerechnet wird, dürfte die Zahl von 768 Neuinfektionen im Jahr 2007 knapp übertroffen werden.
Epidemie noch nicht gestoppt
Vor allem bei schwulen Männern konnte die Epidemie bisher nicht gestoppt werden. Seit 2001 nimmt die Zahl der HIV-Meldungen in dieser Gruppe zu, besonders stark in den Jahren 2002 und 2005 mit Zunahmen von über 35 Prozent bezogen auf das Vorjahr. 2003 wurden 160 Fälle gemeldet, per Ende 2008 waren es 327 Fälle. Damit hat sich die Zahl innert fünf Jahren verdoppelt. Dass sich davon die Hälfte nur wenige Wochen vor dem Test infiziert hatten, ist laut BAG ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Epidemie bei Schwulen bisher nicht gestoppt werden konnte. Ein Effekt der im Frühjahr von der Aids-Hilfe Schweiz durchgeführten Kampagne «Mission Possible» sei nicht ablesbar.
Kampagnen für die Katz?
Die Zahlen sprechen eigentlich für sich und es gibt da nichts schönzureden. Dennoch ist die Aussage des BAG zur Kampagne «Mission Possible» fragwürdig. Ohne all die Kampagnen der Aids-Hilfe Schweiz läge die Zahl der HIV-Infektionen wohl noch deutlich höher. Gegenüber dem Landboten gibt Thomas Lyssy, Sprecher der Aids-Hilfe Schweiz, zwar zu:«Wir haben es mit unseren bisherigen Kampagnen nicht geschafft, diese Entwicklung zu stoppen.» Zugleich sagte er aber auch deutlich, dass es völlig falsch wäre, jetzt den Kopf in den Sand zu stecken: «Wir werden unsere präventiven Bemühungen noch intensivieren und haben auch bereits eine neue Kam-pagne aufgegleist».
Nicht nur ein Schwulenproblem
Die Aids-Hilfe Schweiz ist überzeugt, dass die grosse Mehrheit der schwulen Männer ein hohes Schutzverhalten aufweist und hinsichtlich Aids besonders sensibilisiert ist. Das bestätigt auch das BAG und verweist dabei auf die Anzahl HIV-Tests. Die Durchtestungsrate bei homosexuellen Männern in der Schweiz liegt bei über 80 Prozent, jene bei heterosexuellen Personen nur bei rund 50 Prozent». Über die Dunkelziffer in dieser Gruppe kann nur spekuliert werden. Die Diagnosen mit heterosexueller Übertragung haben zwar 2008 insgesamt leicht abgenommen. Vor allem bei Schweizerinnen ist der Rückgang deutlich. Dafür stieg im letzten Jahr die Zahl der HIV-Infektionen bei heterosexuellen Männern erstmals seit fünf Jahren wieder an.
Abgrenzungen haben sich längst verwischt. Wer sich in Chat-Rooms umschaut, begegnet schnell einmal dem Heterosexuellen, der «es einmal wissen möchte» und das Vergnügen von Mann zu Mann sucht. Die Broschüre der Aids-Hilfe Schweiz «Sicheres Vergnügen» verwendet darum auch nicht mehr Begriffe wie schwul oder gay, sondern spricht von Männern, die Sex mit Männern haben. Sie will helfen, das Vergnügen sicherer zu machen – mit Sex-Tipps von Mann zu Mann.
«Sicheres Vergnügen»
Neue Broschüre für schwule und andere Männer
Die Broschüre «Sicheres Vergnügen» der Aids-Hilfe Schweiz enthält sämtliche individuellen Präventions-empfehlungen für Männer, die Sex mit Männern haben. Sextipps von Mann zu Mann. Seit Februar gibt es sie auch in englischer Sprache.
Seit einiger Zeit stecken sich schwule Männer wieder vermehrt mit HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen an (Chlamydien, Tripper, Syphilis u.a.). Und zwar Männer jeden Alters. Das Risiko, sich mit HIV zu infizieren, ist beim Sex zwischen Männern um ein Vielfaches höher als bei Heterosexuellen. Deshalb zeigt die Broschüre «Sicheres Vergnügen» auf, wie man(n) das sexuelle Vergnügen sicherer machen kann.
Erstmals geht eine Broschüre auch darauf ein, dass HIV-positive Menschen mit wirksamer Therapie unter gewissen Bedingungen das Virus sexuell nicht mehr übertragen können. Sie zeigt auf, was das im Einzelfall für die Prävention bedeutet. Weitere Themen sind nebst den Safer-Sex-Regeln die PEP (medizinische Notfallmassnahme nach einem Risiko), die Sensibilisierung auf die Primoinfektion und andere sexuell übertragbare Infektionen. Sie weist darauf hin, wie sicher oder eben unsicher weitere Massnahmen sind (z.B. Beschneidung oder nur aktiv bumsen). Wo sinnvoll, werden HIV-positive Männer direkt angesprochen.
Die neue Broschüre hat das ideale Format für die Hosentasche (A7) und ist auf Deutsch, Französisch und Italienisch erhältlich. Mit «Safe Pleasure» erscheint im Februar zudem erstmals eine Broschüre für unsere ausländischen Gäste in englischer Sprache.
Die Broschüre spricht sämtliche Männer an, welche Sex mit Männern haben. Deshalb tauchen darin Begriffe der sexuellen Identität (z.B. schwul oder gay) nicht auf. Die Broschüre «Sicheres Vergnügen» entstand mit der Unterstützung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Sie wird ab sofort in der Schweizer Gay-Szene verteilt und ist auch im Online-Shop der Aids-Hilfe Schweiz erhältlich: www.aids.ch. |