Dicke Eier?
Die Osteraktion der Aids-Hilfe Schweiz

Dicke Eier zu Ostern, daran kommen auch schwule Männer nicht vorbei, aber manch einer auch nicht an andern körperlichen Erscheinungen wie Grippe, Halsweh, Hautausschlag, geschwollene Lymphknoten. Über die möglichen Ursachen will die Aids-Hilfe Schweiz zu Ostern aufmerksam machen.

In vielen Ländern der Welt hat Aids epidemische Ausmasse angenommen. Aufgeschreckt hat kürzlich die Meldung, dass die Aids-Epidemie in der US-Hauptstadt Washington inzwischen Ausmasse wie in einem Entwicklungsland angenommen hat. Ende 2008 seien mindestens drei Prozent der Einwohner über zwölf Jahren mit dem HI-Virus infiziert gewesen, heisst es in einer Mitte März vorgestellten Untersuchung der Stadtverwaltung. In einzelnen Bevölkerungsgruppen - etwa bei afroamerikanischen Männern und Einwohnern aller Hautfarben zwischen 40 und 49 Jahren - betrage die Infektionsrate sogar sieben Prozent. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden wird normalerweise bereits eine Infektionsrate von einem Prozent als schwere Epidemie gewertet. Die Rate in der US-Hauptstadt übersteige dies um mindestens das Dreifache, hiess es in der Studie; möglicherweise liege sie sogar noch höher, da ein Drittel bis die Hälfte der Betroffenen nichts von der Infektion wüssten. Die Infektionsrate in Washington liegt höher als etwa im afrikanischen Staat Burkina Faso, wo 1,6 Prozent der Menschen zwischen 15 und 49 Jahren infiziert sind.

Steigende Zahlen auch in der Schweiz
Die Zahl der Neuinfektionen stieg 2008 auch in der Schweiz bei schwulen Männern weiterhin an. Die Aids-Hilfe Schweiz kommt deswegen aber in ihrer Oster-Aktion nicht mit dem Zeigefinger daher. Vom moralisierenden päpstlichen Zeigefinger distanziert sie sich deutlich. Nach jahrzehntelanger ständiger Empfehlung des Kondomgebrauchs muss sich die Aids-Hilfe Schweiz vehement gegen die Meinung aus Rom stemmen. Nach Ansicht von Papst Benedikt XVI. können Kondome nämlich beim Kampf gegen Aids nicht helfen. «Man kann das Aids-Problem nicht durch die Verteilung von Kondomen regeln. Ihre Benutzung verschlimmert vielmehr das Problem». Die Lösung liege in einem «spirituellen und menschlichen Erwachen» und der «Freundschaft für die Leidenden», sagte das Kirchenoberhaupt an der fliegenden Pressekonferenz gegenüber den mitreisenden Journalisten. Und dies auf dem Weg nach Afrika, wo bereits 17 Millionen Menschen an Aids gestorben sind.

Osterbotschaft der Aids-Hilfe
Die Osterbotschaft der Aids-Hilfe Schweiz stellt für einmal auch nicht den Präservativ-Zeigefinger in den Vordergrund. Sie setzt an dem Punkt an, wo die Infektion schon passiert ist. Sie macht aufmerksam auf eine Reihe von Symptomen wie Grippe, Halsweh, Hautausschlag, geschwollene Lymphknoten. Diese Symptome können nämlich auch Anzeichen einer frischen HIV-Infektion sein. Sie können in den Wochen nach ungeschütztem Sex auftreten, wenn eine Ansteckung stattfand. Deshalb ist es für schwule Männer wichtig, die Ursachen abzuklären und die richtige Behandlung zu beginnen. Dadurch können – falls eine HIV- Infektion vorliegt - weitere Ansteckungen vermieden werden.

Symptome nicht verdrängen
Die genannten Symptome können verschiedene Ursachen haben, und darum werden sie oft nicht als Anzeichen einer HIV-Infektion erkannt. Frisch Infizierte wissen häufig nicht, dass sie HIV-positiv sind und stecken ihre Partner beim ungeschützten Sex an. In den ersten Wochen nach einer HIV-Infektion (Phase der Primoinfektion) vermehrt sich das Virus ungehindert in Blut und Sperma, weil das Immunsystem noch keine Abwehr bereit hat. Die rasant ansteigende Viruslast (Anzahl Viren in Blut und Sperma) erleichtert eine Ansteckung zusätzlich. Studien deuten darauf hin, dass ein Drittel bis zur Hälfte der HIV-positiven schwulen Männer sich bei jemandem angesteckt hat, der sich in der Phase der Primoinfektion befand. Darum ist es so wichtig, dass die genannten Symptome möglichst schnell auf ihre Ursache hin untersucht werden.
Und natürlich gilt weiterhin die Empfehlung: in jeden Ausgang, zu jedem Date ein Kondom mitnehmen. Je nach Länge der Nacht und auf die Potenz abgestimmt, dürfen es auch paar mehr sein. Sicher ist sicher.

Von Martin Ender