 |
Ein Märchenprinz für Norwegen
Alexander Rybak gewann für Norwegen den Eurovision Song Contest
Dem jungenhaften Charme des Märchenprinzen Alexander Rybak erlagen sowohl Publikum wie Jury. Sein Punktevorsprung sorgte für einen neuen Rekord in der Geschichte des Eurovison Song Contest. Wer ist dieser junge Mann, der in Moskau alle verzauberte?
Bereits im Vorfeld des Sangeswettbewerbs setzten Eurovision-Fans wie Wettbüros auf den gebürtigen Weissrussen Alexander Rybak, der mit Violine und drei Tänzern der Frikar Dance Company für Norwegen antrat. Sein Sieg war so gut wie gewiss. Als am Abend des Finals in Moskau die ersten Noten des Songs «Fairytale» erklangen, hüpften die Herzen sämtlicher Riverdance-Anhänger in Europa. Und als der 22-jährige zum Gesang ansetzte, verzauberte er durch Charme, Stimme und Talent ein millionenstarkes Publikum.
«Der süsseste Junge des Abends»
Da sang und fiedelte nun eine Art «Harry Potter der Popmusik» auf der Bühne umher und setzte die ungeschriebenen Regeln des Eurovision Songs Contests ausser Gefecht. Alexander Rybak war nicht unbedingt sexy, noch lieferte er eine bombas-tische Show. Aber der Weissrusse sang sich im niedlichen weissen Hemd in die Herzen der Zuschauer. Selbst eine Moderatorin nannte ihn später bei der Punktevergabe den «süssesten Jungen des Abends». Und Alexander Rybak bestrafte mit seiner charismatischen Bühnenpräsenz die dick auftragende Konkurrenz.
Da war zum Beispiel der Grieche Sakis Rouvas, der mächtig auf Sex setzte, was mangels Stimme jedoch völlig in die Hose ging (weswegen dieser sich wohl auch dauernd in den Schritt griff). Oder unsere deutschen Nachbarn, die ebenfalls mit Erotik punkten wollten, aber mit Oscar Loya sowie der burlesken Dita van Teese grandios scheiterten. Generell gab es einmal mehr Künstlerinnen des Ostens, die sich über die Emanzipation der Frau hinwegsetzten und in knappen Kleidchen übersetzt eigentlich nur Folgendes dem Publikum zuriefen: Mach’s mir sofort. Moskau benötigte also dringend ein Märchen und Alexander Rybak war zur Stelle.
Natürlich muss erwähnt werden, dass der entzückende Künstler weitaus mehr ist, als nur ein simples Märchen. Alexander Rybak ist ein musikalisches Allroundtalent. Seinen Siegersong «Fairytale», eine mit folkloristischen Elementen gespickte melodiöse Nummer, hat er selbst komponiert. Auf der Bühne selbst bestach er als virtuoser Fiedler. Das Resultat waren 387 Punkte von allen teilnehmenden Ländern. Noch nie erreichte ein Kandidat in der 54-jährigen Geschichte des Song Contests so viele Stimmen.
Fiddler On The Roof
Bevor Alexander Rybak auf der grössten Bühne, die je für einen Eurovision Song Contest gebaut wurde, brillierte, konnte er schon eine beachtliche Musikkarriere vorweisen. Als Sohn der Pianistin Natalia Valentinovna Rybak und des Violinisten Igor Alexandrovich Rybak erblickte er in Minsk das Licht der Welt. Als Alexander vier Jahre alt war, zog die Familie nach Oslo. Die Musik bestimmte sein Leben. Seit seinem fünften Lebensjahr spielte er Geige und Klavier, allerdings mit Schwerpunkt Klassik. Aber auch Popmusik faszinierte das junge Talent. Bereits mit 17 Jahren komponierte er eigene Songs.
Erfolgreich bewies sich Alexander Rybak fortan zwischen E- und U-Musik. Für sein exzellentes Violinenspiel wurde er 2004 mit dem Anders-Jahres-Kulturpreis ausgezeichnet. Zwei Jahre später gewann der Musiker mit dem selbst komponierten Song «Foolin» eine Nachwuchsshow im norwegischen Fernsehen. 2007 wurde er für die Hauptrolle in «Fiddler On The Roof» am Oslo Nye Theater mit einem Schauspielpreis geehrt. Daneben ist er u.a. Konzertmeister des grössten Jugendsymphonieorchesters Norwegens.
Bei «Fairytale», dem Siegersong, soll es sich um ein Liebeslied über seine Ex-Freundin handeln. Weswegen er für die schwule Welt jedoch nichts an Anziehungskraft verlieren wird. In Norwegen erreichte er mit der Single jedenfalls schon die Nr. 1 der Charts. Alexander Rybaks gleichnamiges Album gibt’s ab Ende Mai zu kaufen. Vielleicht gelingt ihm nun der Doppelhattrick: Nicht nur den Eurovision Song Contest zu gewinnen, sondern auch die Hitparaden Europas zu stürmen. Dies gelang seit langer Zeit keinem Sieger mehr.
Von Daniel Diriwächter |