![]() |
Schwulengeschichte geschrieben Mit ihren bald 80 Jahren erlebten Ernst Ostertag und Röbi Rapp eine Zeit, die heute für viele im Dunkeln liegt. Schwules Leben fand lange im Verborgenen statt. Doch ein Blick ins private Album zeigt, dass die beiden dennoch das Leben zu geniessen wussten. Heutiger Höhepunkt ist für sie die Ehrung für ihr Lebenswerk und das Werk «schwulengeschichte.ch». Ernst und Röbi haben in doppelter Hinsicht Schwulengeschichte geschrieben. Erstens als Paar, das seit Anfang der 50er-Jahre in der Schwulenszene aktiv mitmachte. Und zweitens als Autoren von «schwulengeschichte.ch». In den Jahren vor dem Partnerschaftsgesetz agierten die beiden schwulenpolitisch sehr aktiv und waren schliesslich das erste Paar, das als Mann und Mann in Zürich auf dem Standesamt «registriert» wurde. Gross war 2003 ihre Freude, diese Freiheit und Anerkennung erleben zu dürfen. Hatten sie doch auch die Zeiten erlebt, die im Werk unter anderem so beschrieben werden: «1957 wurden knapp hintereinander zwei Homosexuelle durch Stricher ermordet. Diese Verbrechen stilisierten die Medien zur grossen Sensation mit schrillen homophoben Tönen. Es kam zu jedes Recht missachtenden polizeilichen Razzien an bekannten Treffpunkten, in Restaurants, Bars, öffentlichen Anlagen und sogar stadtnahen Wäldern, nicht nur in Zürich, auch in Basel, Bern und an anderen Orten. Hunderte wurden zusammengetrieben, auf Posten gebracht und mit allen Personalien und Fingerabdrücken registriert: die berüchtigten Homo-Register füllten sich. Zudem wurden – wegen grassierender Syphilis unter den Schwulen – vor allem in Zürich zwangsweise nicht anonyme Bluttests vorgenommen. 1960 verfügten die städtischen Behörden ein Tanzverbot ausschliesslich für den KREIS. Die Grossanlässe mussten eingestellt werden. Einnahmen und Abonnentenzahlen gingen zurück. Auch die regelmässigen Treffen im Restaurant Neumarkt mussten aufgegeben werden.» Vom Buchprojekt zur Website Obwohl die beiden immer ein Druckerzeugnis vor sich sahen, freundeten sie sich sehr schnell mit der Idee an, das ganze Werk ins Internet zu stellen. Etwas Stress kam aber doch noch auf sie zu. Der Zeitdruck. Das Werk sollte auf die EuroPride hin online gehen. Mit grossem Einsatz und viel Hilfe gelang dies auch, und die Vernissage am Mittwoch vor der EuroPride war ein voller Erfolg. Gedruckt wurden dennoch einzelne Auszüge, eine Zusammenfassung in Form einer Broschüre mit dem Titel: «Es geht um die Liebe – Schwule in der Schweiz und ihre Geschichte». Anerkennung Von Martin Ender
|