Patrick Hadi Huber
Die EuroPride war für ihn ein grosses Ziel. Das Projekt ging erfolgreich über die Bühne

Patrick Hadi Huber, gerade mal 29 Jahre alt und stark engagiert in der Community, erklärt, warum die SP für Schwule und Lesben nicht die einzige, aber doch die richtige Partei ist, was es mit den Gerüchten zu tun hat, er werde bei den HAZ die Zügel in die Hand nehmen und erzählt, dass seine Mutter bei seinem Coming-out den Wunsch äusserte, er möge nicht ins Fernsehen kommen.

Studium der Politikwissenschaften, Studienrat, Mitglied von z&h, Co-Präsident des CSD Zürich. Hadi, du bist umtriebig. Was treibt dich an zu so viel Engagement und wie schaffst du das?
Es macht Spass. Klar, ich investiere Freizeit. Aber ich investiere sie, wie ich meine, für etwas Sinnvolles. Da die verschiedenen Tätigkeiten miteinander zu tun haben, ist das alles nebeneinander auch zu schaffen. Das Studium der Politikwissenschaften läuft noch, doch habe ich schon mal alle Nebenfächer abgeschlossen. Ziel ist es, 2010 das Studium zu beenden. Der CSD – der dieses Jahr als EuroPride etwas ganz Besonderes war – hat mich gefordert. Aber als ich von der Bühne herab oder am Umzug in eine Menge von Zehntausenden sah, wusste ich, wofür ich meine Zeit eingesetzt hatte.

Politisch bist du in der SP. Ist das die einzige Partei, in der sich Schwule und Lesben wohlfühlen können?
Nein, es ist nicht die einzige Partei. Aber es ist sicher die richtige Partei, weil sich diese Partei seit gut zwanzig Jahren immer wieder eingesetzt hat für die Rechte der homosexuellen Frauen und Männer in diesem Land. Da ist für mich mit ein Grund, warum ich mich zu dieser Partei hin bewegt habe.

Sprechen wir über das Berufsleben. Was machst du derzeit?
Ich arbeite in einer kleinen Unternehmensberatung. Da versorgen wir kleine Start-up-Firmen mit Informationen, schauen, dass sie vernetzt werden, dass sie Personal finden. Meistens haben Jungunternehmer brillante Ideen, aber nicht die Fähigkeit, sich zu etablieren. Da springen wir ein. Wir leisten Hilfestellung, beispielsweise im Marketing, erstellen Verkaufs-Konzepte und gehen ganz bewusst auf potentielle Kunden zu. Das ist jedes Mal eine neue Herausforderung.

Ist dies mittelfristig dein Weg?
Das ist jetzt sicher mal ein Weg. Im Projektmanagement steckt sehr viel konzeptionelle Arbeit. Ich kann dabei das, was ich jetzt bei meinem freiwilligen Engagement gelernt habe, sehr gut brauchen. Man fängt bei null an und baut Stein für Stein auf. Das ist auch bei einem CSD nicht anders. Die Erfahrung, die ich im Geschäftsleben mache, kann ich dann auch wieder im Privatleben einsetzen. Es greift bei mir alles ineinander.

Kannst du dir eine vollprofessionelle politische Karriere vorstellen?
(Kurze Denkpause) Das kann ich mir durchaus vorstellen. Mein Studium sind ja die Politikwissenschaften. Ich verfolge die Politik und beschäftige mich damit. 1998 bin ich zum ersten Mal politisch aktiv geworden. Auch habe ich familiär einen politischen Hintergrund.

Fonds Respect. Damit hast du auch was zu tun. Was ist das?
Das ist ein Fond für lesbisch-schwule Projekte. Jemand hat eine Idee, eine Vision, etwas auf die Beine zu stellen, sei es ein Festival, eine Party, ein Event oder eine Vernissage. Dafür haben die Dachverbände Pink Cross und LOS eine Stiftung gegründet. Sie ist als Verein organisiert und da bin ich im Vorstand.
Wir unterstützen Projekte von Leuten, die Hilfe beantragen. Es gibt Voraussetzungen, die erfüllt seine müssen, damit Gelder fliessen. Die Projekte müssen zielgerichtet sein und einen nachhaltigen gesellschaftlichen Effekt haben für die Community.

HAZ. In diesem Zusammenhang fällt neuerdings auch dein Name. Was steckt dahinter?
Die HAZ, die Homosexuellen Arbeitsgruppen Zürich haben turbulente Zeiten hinter sich. Wir haben verschiede Leute zusammengebracht und eine sehr ambitionierte Gruppe geschaffen, welche die Bereitschaft zeigt, die HAZ in eine neue Richtung zu lenken. Die HAZ haben eine äusserst stabile Mitgliederstruktur, soweit ich informiert bin über 500 Mitglieder, aber es ist keine Führungsstruktur vorhanden, die sich dynamisch entwickeln kann. Das haben wir festgestellt. Wir, das sind Leute, die sich in der EuroPride-Organisation oder in Partei-Strukturen kennengelernt haben, eine bunt gemischte Gruppe von Frauen und Männern, die bereit sind die HAZ zu führen.
Wir wollen sie zu dem machen, was sie einst war: Politisches Sprachrohr der Community.

Kann es sein, dass du das Präsidium führen wirst?
Kann sein. Doch dazu muss erst eine Generalversammlung stattfinden. Ein Termin dafür wird bald festgelegt.

Dein Name ist stark mit dem CSD verbunden. Bleibt das weiterhin so?
Ich bin seit 2003 dabei. Das grosse Projekt war natürlich die EuroPride. Das hatte ich seinerzeit mit Daniel Buchs und Christian Fuster aufgegleist. Es war eine Idee, die wir jahrelang verfolgt hatten und in diesem Jahr zu einem grossen Erfolg machen konnten. Ich hatte mir vorgenommen, die EuroPride durchzuziehen und dann noch ein Jahr im CSD-Vorstand zu bleiben. Ich plane 2010 mit dem bestehenden Vorstand und mit neuen Leuten, eine Art Übergabe zu machen.

Wird das nicht schwierig, nach der grossen EuroPride den nächsten CSD wiederum zu einem Magneten zu machen?
Ich glaube nicht, die Erfahrung von andern Städten, die eine EuroPride durchführten, zeigt das Gegenteil. Stockholm ist ein Paradebeispiel. Die Fortschritte, die erzielt wurden, sind nachhaltig.

Aber die EuroPride hat viele Touristen angezogen. Das wird bei einem CSD wohl nicht mehr so sein.
Das denke ich nicht, wem es dieses Jahr in Zürich an der EuroPride gefallen hat, der wird die Schweiz und Zürich wieder besuchen kommen an einem CSD. Es gibt schon viele Ideen für den kommenden CSD.

Du bist sehr engagiert in der Szene, eine öffentliche Person, offen schwul, da stellt sich die Frage: wie war das damals, bei deinem Coming-out?
Da ist jetzt elf Jahre her, anfangs 1998. Ich hatte meine erste eigene Wohnung, weil meine Mutter in die Innerschweiz zog. Da ich noch in Frauenfeld im Gymnasium war, brauchte ich eine eigene Bleibe. Das nahm ich zum Anlass, mich zu outen. Es ist ja einfacher, diesen Schritt zu machen, wenn man nicht mehr zuhause wohnt. Es ist am Telefon passiert. Meine Mutter hat wohl gemerkt, dass ich happy war (ich hatte in den Tagen meinen ersten Freund kennengelernt) und fragte, ob ich eine Beziehung hätte. Ich wollte nicht drum herum reden und sagte: Ja. Sie wollte den Namen wissen. Der Männername löste ein kurzes «Mhhh, äähh» aus und danach «aber das würde ja heissen, du bist schwul!» Sie meinte, sie müsste das erst einmal verdauen und man würde am nächsten Tag wieder telefonieren. Am nächsten Mittag hatte sie es bereits verdaut. Sie hatte nur den Wunsch, dass ich nach Möglichkeit nicht im Fernsehen auftrete... Aber wie man weiss, kam auch das – unvermeidlich – anders.

Hadi, vielen Dank für das Gespräch

     Das Interview führte Martin Ender