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Musicals und fulminante Shows
In den vergangenen Jahren ist auch in der Schweiz ein Musical-Boom ausgebrochen.
Heute muss der Musical-Fan nicht mehr extra nach London oder New York fliegen. Inzwischen wurden alte Fabrikhallen umgebaut, in Basel gar eine Messehalle und in Zürich ein in die Jahre gekommenes Theater, um Weltproduktionen auch hierzulande aufführen zu können. Wir zeigen, was die anlaufende Saison an fulminanten Shows und Musicals bringen wird.
Vorbei die Zeiten, als wir nach New York oder London jetteten, um ein Musical zu erleben und bloss hin und wieder eine internationale Truppe im Kongresshaus ein Gastspiel gab. Mit einem Mal gab es auch hier eine Aufbruchstimmung ins Musical-Zeitalter. Zuerst wurde eine alte Produktionshalle von Brown Boveri in Zürich-Oerlikon in ein Theater für das Musical Cats umgebaut... mit einer provisorischen Baubewilligung. Auch in Baden wurde eine alte Fabrikhalle zu neuem Leben erweckt und die Erfolgsgeschichte von Space Dream von Harry Schärer konnte starten. Dann wurde wiederum eine alte Fabrikhalle in Winterthur zu einem Musical Theater umgebaut und Space Dream 3 zog hierher. Bei der Messe Basel wurde eine alte Messehalle weitab der Ausstellungshallen zum Musical Theater Basel und vom eher tristen Stadthof 11 blieb bloss der Bühnenturm stehen und das Theater 11 entstand. Damit kamen längere Gastspiele von internationalen Truppen nach Oerlikon, während bereits zuvor beim Escher-Wyss-Platz die Maag MusicalHall gebaut wurde – vorher ebenfalls eine alte Fabrikhalle der Zahnrad Maag. Hier startete Deep, das Unterwasser-Musical der beiden Produzenten Darko Soolfrank und Guido Schilling. Die letzte Vorstellung war am 6. Juli 2003 mit insgesamt etwa 160'000 Besuchern.
Die Uraufführung von Space Dream fand 1994 anlässlich der Gewerbeausstellung in Berikon mit Schülern als Musical-Darstellern statt. Ein grosser Erfolg, der ein Jahr
später in Baden in einer professionellen Version fortgesetzt wurde. Space Dream kam auch im Hangar II im Flughafen Berlin-Tempelhof auf die Bühne und nach acht Jahren in Baden kam es in die City Halle nach Winterthur. Hier wurde es 2004 mit dem zweiten Teil Space Dream Saga II – Mystarium – fortgesetzt und 2006 kam mit Space Dream Saga III – Das Geheimnis Von Nenyveh – gar der dritte Teil. Nach vierzehn Jahren und über 1500 Shows fand am 26. April 2008 die letzte Vorstellung der Weltraum-Trilogie statt. Mit etwa einer Million Besuchern war das Musical die erfolgreichste Schweizer Produktion.
Highlights der kommenden Saison
Ewigi Liebi
Das Musical des Produzentenduos Darko Soolfrank und Guido Schilling (Space Dream, Deep) hatte am 13. September 2007 Uraufführung in der Maag MusicalHall und wurde zum Erfolgsmusical mit den gröss-ten Mundart-Hits! Über 300 000 Personen sahen bis heute die Produktion. Abend für Abend ist die Maag MusicHall ausverkauft.
Von «Alperose» bis zum «Schwan» sind die Ohrwürmer der grossen Schweizer Bands geschickt in eine humorvolle und spannende Geschichte rund um Liebe, Verrat und Missverständnisse verpackt. Die besten Schweizer Musical-Darstellerinnen und -darsteller präsentieren ein temporeiches über zweistündiges Musik- und Theaterereignis. Begleitet werden sie von einer fünfköpfigen Liveband. Fans der heimischen Musik können sich auf die echt schweizerische Inszenierung freuen, welche sie bestimmt aus dem Alltag reissen wird.
Durch schicksalhafte Umstände treffen sich Dänu und Heidi, die sich in ihrer Jugend geliebt hatten, fast dreissig Jahre später wieder. Glücklich über die schicksalhafte Begegnung schwelgen sie in ihren Erinnerungen und lassen ihre Beziehung, die ein jähes Ende fand, Revue passieren. Ihre gemeinsame Geschichte begann gerade zu der Zeit, als im Emmentaler Dorf Trueb die Gondelbahn eingeweiht wurde. Die Sennen und Bauern haben damals für dieses grosse Ereignis ein Fest mit Musik und Tanz veranstaltet. Auf diesem Fest haben sich die beiden nach der letzten Polka im Mondenschein zum ersten Mal geküsst. Je länger sie erzählen, desto mehr versinken sie in ihre Geschichte, die plötzlich zu leben beginnt. Sogar die Murmelifamilie, die gerade einen Familienkrach austrägt – der schwule Sohn will sich einen Tunnel ins Engadin graben und dort als Au-pair arbeiten – hört aufmerksam zu und kommentiert die Geschichte singend aus ihren Löchern. Es wird gelacht, aber auch geweint.
Maag MusicHall, bis 3. Januar
West Side Story
Im Rahmen der «50th Anniversary World Tour» gastiert die West Side Story in Peking, Wien, Paris, London, Tokio und Basel. Am 26. September 1957 nahm am Broadway im Winter Garden Theater in New York die Geschichte des Musiktheaters eine entscheidende Wende: Mit West Side Story war ein Bühnenwerk geschaffen, das hinsichtlich darstellerischer, tänzerischer und sängerischer Ausdruckskraft sowie musikalisch und dramaturgisch neue Massstäbe setzte und ein ganzes Genre neu definierte.
Durch die Verfilmung des Stoffes wurde dieses grandiose Meisterwerk – mit zehn Oscars ausgezeichnet (Leo-nard Bernstein, Musik, Jerome Robins, Konzeption / Regie und Choreographie, Arthur Laurens, Buch, und Stephen Sondheim, Songtexte) – wenige Jahre später einem Millionen-publikum bekannt. Heute sind die Schöpfer dieses Meilensteins der Musical-geschichte längst legendär geworden. Neben der packend und gleichsam tief bewegenden Geschichte sind es nicht zuletzt die unvergesslichen Kompositionen wie «Tonight», «Maria», oder «Somewhere» von Leonard Bernstein, die die West Side Story zu einem aussergewöhnlichen Erlebnis machen.
Die Jubiläumsfassung des mehrfach prämierten Regisseurs und Choreografen Joey McKneely, Solotänzer und Assistent von Jerome Robbins, wurde bei seinen Gastspielen in Asien sowie in ausverkauften Häusern in London, Paris, Athen,
Wien und Zürich frenetisch gefeiert.
www.westsidestory.ch
Musical Theater Basel, vom
27. Oktober bis 22. November
Tanguera
In Buenos Aires, dem Ort seiner Entstehung, wurde Tanguera mit Begeisterung gefeiert und erlebte dort nach der Uraufführung 2002 eine Rekordlaufzeit von 18 Monaten. Auch international wurde Tanguera bereits in Madrid, Miami und Tokio stürmisch gefeiert und erzielte unter der Schirmherrschaft von Maestro Daniel Barenboim auch in Hamburg, Berlin und Paris glänzende Erfolge. Nun kommt das Erfolgs-Musical nach Zürich.
Das Tango-Musical ist mehr als nur Tanz. Und doch – Tanguera ist vollkommen und hauptsächlich eines:
Tango. Tanguera, das sind dreissig Tänzerinnen und Tänzer, eine vor Leidenschaft glühende, preisgekrönte Choreografie des berühmten Tango Stars Mora Godoy, und etwas, woran sich keine Tango-Performance bisher gewagt hat: Ein Erzählstrang. Mit präzisen Blicken und Gesten, mit Gesang und dem alles beherrschenden Tanz macht Tanguera, das erste Tango-Musical überhaupt, eine authentische Geschichte aus dem Buenos Aires der Jahrhundertwende erlebbar: Das Schicksal vieler Frauen in der Geschichte einer einzigen, so einfach und unausweichlich wie Lust und Schmerz, die sich im Tango zu Melancholie und Leidenschaft vereinen.
Giselle, die junge Immigrantin, landet anfangs des zwanzigsten Jahrhunderts in La Boca, dem berüchtigten Hafenviertel von Buenos Aires. Hunderttausende Einwanderer fristen dort ihr Dasein. Hier ist die Unterwelt das Gesetz und die Liebe ein bezahlter Dienst. Während zum Spiel des Bandoneons die eng umschlungenen Paare über das Pflas-ter versteckter Hinterhöfe und über verbotene Parketts verruchter Bars gleiten, erlebt Giselle als bewunderte Tangotänzerin den Erfolg der glitzernden Welt des Cabarets. Verführt vom kriminellen Gaudencio und geliebt vom tapferen Lorenzo, dem Hafenarbeiter, löst sie schliesslich bei diesen beiden einen tödlichen Messerkampf aus.
www.tanguera-musical.de
Theater 11, Zürich vom 17. bis 29. November
Calling Doris
Calling Doris ist ein vergnüglicher, witziger, rasanter und auch wiederum besinnlicher Abend rund um das Leben, die Filme und Lieder von Doris Day. Ein Muss für die Fans der amerikanischen Schauspielerin und Sängerin. Aber auch, wer nur wenig über sie weiss, wird den Abend genüsslich schmunzelnd und lachend verbringen. Unterhaltung pur für jedermann und jede Frau und... que sera sera.
Stefan ist schwul. Und wie jeder schwule Mann hat er eine beste Freundin, Susanne. Sie ist absoluter Fan von Doris Day und sie kennt alle Einzelheiten aus dem Leben der bis zum heutigen Tag noch immer erfolgreichsten Hollywood Schauspielerin aller Zeiten. Susanne selbst ist Musical-Darstellerin und möchte zum 85. Geburtstag von Doris Day mit deren bekanntesten Liedern eine Hommage auf die Beine stellen. Wer würde sich da besser eignen als ihr bester Freund Stefan, ebenfalls Musical-Darsteller. Er singt, tanzt und spielt. Doch obwohl er schwul ist weiss er erstaunlicherweise wenig über Doris Day und wenn, dann kennt er nur gerade die zwei drei bekanntesten Filme und Que sera sera. Dafür erwärmt er sich umso mehr für Rock Hudson, und so bringt Susanne ihn dazu, gemeinsam am Stück zu arbeiten, mit tatkräftiger Unterstützung von Brian am Piano. Markus Buehlmann ist Stefan, Anne Maria Schmid Susanne und am Piano spielt Brian Gill.
www.callingdoris.ch
Theater Stok, Zürich 7. bis 11. Oktober
Alapilio
Nach vierzehn Jahren Spielzeit mit der Space-Dream-Trilogie, die eine Million Besucher verbuchen konnte, ehrt Autor und Komponist Harry Schärer mit einem neuen Musical auf die Erde zurück. Erzählt wird die spannende und zugleich witzige Geschichte der Suche nach der vollkommenen Welt der Träume. Eine fulminante Bühnenshow mit grossartigen Kostümen, fetzigen Tanzszenen, der bereits zur Legende gewordenen Licht- und Lasershow sowie einem Musik- und Sound-Erlebnis der Spitzenklasse.
In Town Under – dem sehr speziellen Quartier in der Stadt – verändert sich innerhalb von wenigen Tagen vieles. In diese Gegend hat es Fanika verschlagen, die wegen des Krieges aus ihrer Heimat geflohen ist. Die Leute von Town Under leben unter zwei Himmeln, weil auch eine grosse Autobahnbrücke über ihre Köpfe gespannt ist. Zudem entsprechen die Bogenwohnungen, welche ins Eisenbahnviadukt eingebaut wurden, und die ausgediente, stinkende Müllhalde nicht gerade dem üblichen Lifestyle. Aber die fröhlichen Menschen, die hier wohnen, haben eines nie verloren: Die Hoffnung nämlich, dass alles einmal besser wird.
www.alapilio.ch
City Halle, Winterthur, ab 26. November
Mary Christmas
«Georg Preusse ist der Weihnachtsmann mit den schönsten Beinen der Welt», schrieb die BZ anlässlich der Premiere im November 2007. Es folgten acht Wochen lang ausverkaufte Vorstellungen im Berliner Admiralspalast, mit stehenden Ovationen und frenetischem Applaus. Im November wird Mary mit ihrer glamourösen, witzig-frechen, aber auch anrührend ehrlichen Weihnachtsshow für Weihnachtsstimmung sorgen. Und mit einem Augenzwinkern über die Dinge des Lebens sinnieren, die oft viel zu ernst genommen werden. Aber auch über Themen, die man nicht ernst genug nehmen kann: Krieg und Intoleranz, Einsamkeit und Ausgestossensein.
Mary Christmas – diese Weihnachtsshow – ist ihr persönliches Bekenntnis zum Leben, das so facettenreich ist wie Mary selbst.
www.marychristmas.ch
Theater 11, Zürich, 3. bis 8. November
Gessler Zwillinge & The Triple B
Big Band
Kesser, besser, Gessler! Das doppelte Maskottchen der Showszene Schweiz: Die hinreissenden, die absolut verwechselbaren Gessler Zwillinge. Berauschend synchrone Tanzkunst und zweistimmiger Einklang. Lotti und Barbara, die beiden scharfen, schwäbisch-schweizerischen Showgirls. Das Märchen von Glanz und Geschwis-terliebe begann in einer tristen Künstlergarderobe in Las Vegas: Lotti Stäubli und Barbara Hutzenlaub, damals noch bekannt als zwei der Acapickels und auf Abschiedstournee, blickten einander im trüben Licht einer mückenschissverdreckten Neonröhre an, staunten – und erkannten sich: die blonden Haare, die blauen Augen, die währschaften Beine, dieses Flair für Handtaschen und Pudel! Und dieses Gefühl, als müssten sie Arm in Arm und Aug in Aug zu den Bläser-Fanfaren der Big Band eine Showtreppe hinunterstöckeln und der ganzen Welt ihr neu gefundenes Zwillingsglück mitteilen.
Bühne frei für eine unvergesslerische Revue von und mit Lotti Stäubli und Barbara Hutzenlaub!
www.gesslerzwillinge.ch
Theater 11, Zürich, 3. und 4. Dezember
Blue Man Group
Die Show-Sensation aus den USA kommt 2010 nach Zürich. Drei kahlköpfige blaue Gestalten, eine einzigartige Show-Vision mit packenden, modernen Rhythmen: Die Blue Man Group, eine der ungewöhnlichsten und erfolgreichsten Bühnenshows, begeisterte 2008 rund 100 000 Besucher in Basel. Die Gruppe Blue Man Group ist lustig, verspielt und respektlos. Die Show bietet eine neue Form des Entertainments für das 21. Jahrhundert: ein spektakuläres Erlebnis aus Percussions, Comedy, Kunst und Wissenschaft.
www.bluemangroup.ch
Theater 11, Zürich, vom 15. Januar bis 28. Februar 2010
Tickets erhältlich bei den üblichen Vorverkaufsstellen
Von Kurt Büchler |