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Auf dem Rücken der Partygänger
Flexx, Testosteron, Labyrinth, Lotus, Shaft
Der 3. Oktober 2009 ist ein begehrtes Datum. Nach langer Durststrecke bieten dann gleich mehrere Veranstalter Parties für eine ähnliche Klientel an. Warum ist das so? Muss das denn wirklich sein?
In Zürich herrscht zurzeit Ebbe in der schwulen Partyszene. Nach jahrelanger systematischer Repression durch Esther Maurer und ihre strammen Beamtinnen und Beamten scheint Zürich die Qualität einer guten schwulen Club-Stadt verloren zu haben. Aber es gibt Hoffnung am Party-Horizont: Seit einigen Monaten kündigt das neue Party-Label FLEXX seine Eröffnung im schönen und gemütlichen Club Loop38 an der Albulastrasse in Zürich Altstetten an. Datum ist der 3. Oktober 2009. Danach geht es jeweils regelmässig an den ersten Samstagen des Monats weiter.
Alles scheint perfekt, namhafte internationale DJs sind gebucht, Termine ebenso, Flyer gedruckt, die Homepage eingerichtet und Promo wird auf allen möglichen Kanälen gemacht. Aber nicht zu früh gefreut. Auf dem Rücken der Partygänger wird offenbar ein Konkurrenzkampf ausgetragen, der vielleicht keine Gewinner hervorbringen wird. Denn exakt zur gleichen Zeit kündigt sich eine weitere Party-Reihe an...
Flexx, Testosteron, Labyrinth, Lotus, Shaft
Testosteron, eine Men-only-Fetish-Dance-Party, soll ebenfalls am 3. Oktober 2009 stattfinden, und zwar im Lotus-Club. Das Lotus war bis vor kurzem die Location des Labyrinth-Clubs, bevor sich die beiden Parteien kurz vor der diesjährigen Streetparade zerstritten und aufgrund nicht überwindbarer Unstimmigkeiten die Zusammenarbeit endgültig beendet haben. Seitdem meiden die meisten Schwulen den Lotus-Club. Die Laby-Gemeinde ist sich einig, die Inhaber des Lotus sind Schwulen-hasser, würden die Gay-Community nur ausnehmen und uns das Geld aus der Tasche ziehen. Doch die Tatsache, dass jeder Betreiber auf Gewinn hinarbeitet und im Lotus schon etliche gute Gay-Parties stattfanden, entlarvt diese Behauptung als Blödsinn. Nun sucht das Laby einen neuen Ort für seinen erotischen Tanzpalast. Und man scheint einen neuen passenden Ort gefunden zu haben. Wo wird noch nicht verraten. Los geht es gemäss Laby-Homepage – man ahnt es schon – am 3. Oktober 2009!
Interessanterweise brodelt’s zudem in der Gerüchteküche, dass die Testosteron-Parties jeweils abwechselnd mit den Shaft-Parties, ebenfalls ein renommierter Name in Sachen Men-Only-Parties («No dick, no entry!») am ersten Samstag des Monats im Lotus-Club stattfinden sollen. Also wieder zeitgleich mit den monatlichen FLEXX-Parties im Loop38.
Was ist der Grund für die ständigen Terminüberkreuzungen? Neu ist das in der Zürcher Party-Landschaft nicht. Bereits in der Vergangenheit haben mehrere verschiedene Parties mit gleicher oder ähnlicher Zielgruppe an denselben Daten stattgefunden. Man vergisst, wer schlussendlich darunter leiden wird. In erster Linie
sind das die Partygäste und natürlich auch die Veranstalter selber. Man schneidet sich ins eigene Fleisch.
Die Attraktivität des ersten Samstags im Monat
Dazu meinen Testosteron-Macher Lucas und Alex: «Wir haben erst Mitte August 2009 erfahren, dass eine neue Partyreihe in Zürich entsteht, die am 3. Oktober 2009 als FLEXX ihre Premiere haben wird. (...) Dass die Testosteron-Neuauflage nun auch in der gleichen Nacht stattfindet, hat einerseits mit der Attraktivität des ersten Samstags im Monat sowie mit der eventorganisatorischen Seite des Clubs Lotus zu tun. Zudem war unser Auftrag zum Druck der Flyer und Poster schon erteilt worden.» Gemäss Lucas und Alex hat alleine die Stadt Zürich ohne Agglomeration genug Potential. Zudem seien die Konzepte so unterschiedlich, dass man sich nicht in die Quere kommen wird. Für die Partygäste sei die grössere Auswahl erfreulich.
Kjell M. Droz ist Betreiber von www.zuerigay.ch und ebenfalls Party-veranstalter. Er bedauert es sehr, dass einige Zürcher Veranstalter noch immer nicht gelernt haben, dass sie ein gemeinsames Angebot einer vielfältigen Partyszene weiter
bringen könnte: «Zürich hätte durchaus wieder das Potential zu einer attraktiven Gay-Party-Metropole, wenn die Stadt dank kooperativer Termin-absprachen jedes Wochenende ein Highlight für Gay-Touristen zu bieten hätte. Das Konkurrenzdenken führt jedoch nur dazu, dass die Szene weiter schrumpft, weil sich die Gäste an einem Abend auf drei halbvolle Clubs verteilen und am nächs-ten Wochenende auf der Strasse stehen.»
Das FLEXX-Team findet das Konkurrenzdenken sehr schade. «Wir möchten Zürich eine neue Party-Reihe mit der Philosophie, dem Feeling und der Qualität einer internationalen Stadt bieten, inklusive internatio-naler DJs und Überraschungen am Abend. Die Planung startete bereits Anfang Juli, die Promo Anfang August, also vor allen anderen.» Gespannt sei man, wie es nach dem geplanten Abriss des Lotus-Gebäudes weitergeht. Geplant war das mal im Jahr 2010.
Das Labyrinth war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
von Vinnie Albani |