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Tod eines schwulen Popstars
Die wilden Speku-lationen nach dem Tod von Stephen Gately
Der plötzliche Tod von Boyzone-Sänger Stephen Gately erschütterte nicht nur die Fans. Seine Homosexualität gab der Presse Anlass zu wilden Spekulationen über die Todesursache. Vorläufiger Höhepunkt ist eine Kolumne der britischen Daily Mail, die Stephen Gately einen «völlig gefährlichen Lebensstil» unterstellte.
«Sex, Drogen, Alkohol», diese Worte waren in den meisten Schlagzeilen zu lesen, die über den Tod des schwulen Boyzone-Mitglieds Stephen Gately spekulierten. Der 33-Jährige wurde Anfang Oktober tot in seiner Wohnung auf Mallorca aufgefunden. Sein Partner Andrew Cowles befand sich mit einem dritten Mann im Schlafzimmer. Augenzeugen berichten, dass beide am Vorabend im bekannten Schwulenlokal «Black Cat» noch einige Drinks zu sich nahmen und dann mit einem geheimnisvollen Bulgaren nach Hause gingen.
Noch bevor die Todesursache überhaupt geklärt wurde, raschelte es im Blätterwald. Denn ein schwules Paar, ein flotter Dreier und ein paar Drinks bestätigten so einige Vorurteile. Eine Orgie soll das Paar veranstaltet haben, der Alkohol soll geflossen sein und Drogen habe man im Übermass zu sich genommen. Wilde Spekulationen, die die Auflage steigerten.
Zielscheibe der Medien
An seinem Erbrochenen sei Stephen Gately erstickt, in betender Stellung habe man ihn leblos entdeckt. Szenen, die der «dritte Mann», ein gewisser Georgi Dochev liebend gern der Presse zusteckte. Schnell bekam dieser aber einen Maulkorb zugewiesen: «Ich will nichts weiter sagen, ohne es nicht vorher mit Andrew Cowles geklärt zu haben», erklärte er den zahlreichen Boulevardjournalisten vor Ort.
Stephen Gately wurde nur wenige Stunden nach seinem Tod zur posthumen Zielscheibe von diversen schwulenfeindlichen Medien. Bevor überhaupt getrauert werden durfte, bezeichnete insbesondere die englische Boulevardpresse den jungen Mann als sexbesessene Bestie, den Drogen verfallen. Selbst als die vergleichsweise banale Todesursache feststand, ein Lungenödem, war dies offensichtlich nicht schrecklich genug.
22’000 Beschwerden
Die britische Daily Mail, eine bekannte konservative Boulevardzeitung, veröffentlichte einen Tag vor der Beerdigung Gatelys die Kolumne der berüchtigten Jan Moir. In dieser beschrieb die Kolumnistin Gatelys Tod als Konsequenz eines «völlig anderen und gefährlichen Lebensstils», der unter «dem «Panzer einer glitzernden, hedonistischen Berühmtheit» für alle sichtbar heraussickerte. Der Sänger sei unter widerlichen Umständen ums Leben gekommen, so Jan Moir weiter.
Offensichtlich spielte die Autorin auf die Homosexualität des verstorbenen Sängers an. Weiter betitelte sie ihren Artikel in der Online-Fassung noch mit «Warum Stephen Gatelys Tod nicht natürlich war». Für die Print-Ausgabe wurde diese Überschrift aber bewusst von der Redaktion entschärft: «Ein seltsamer, einsamer und ärgerlicher Tod».
Derart pietätlose Sätze reichten aber, um die grösste Protestwelle auszulösen, die je ein Artikel nach sich zog. Unglaubliche 22'000 Beschwerden gingen bei der «Press Complaints Commission» ein. Diese entsprechen in etwa dem Beschwerdeaufkommen von fünf Jahren. Als homophob und unsensibel wurde der Text auf Facebook und Twitter bezeichnet.
Die Daily Mail distanzierte sich mittlerweile von Jan Moirs entsetzlicher Kolumne. Die Kolumnistin selbst verteidigte ihre Worte. Bösartig seien die Gegenreaktion und Proteste, so Moir. Nun wird die Beschwerde-Kommission untersuchen müssen, ob Jan Moir Respekt und Würde Gatelys, seiner Familie und Freunde verletzt hat.
Im Schatten von Ronan Keating
Noch nie war Stephen Gately so oft in den Schlagzeilen wie nach seinem frühen Tod. Mit der irischen Boygroup Boyzone erlangte der Sänger grosse Erfolge. In den 90ern hatten Boyzone sechs Nummer-eins-Hits und waren ähnlich beliebt wie ihre britischen Kollegen Take That. Doch Gately stand immer im Schatten des Frontsängers Ronan Keating.
Nach der Auflösung der Band im Jahr 2000 versuchte sich Stephen Gately als Solokünstler, hatte aber nur mässigen Erfolg in den Charts. 2007 gaben Boyzone ihre Wiedervereinigung bekannt. 2008 tourten sie erfolgreich mit einem Greatest-Hits-Album im Gepäck durch Europa.
Der ehemalige Mädchenschwarm outete sich 1999 als schwul. 2006 heiratete er seinen Partner Andrew Cowles. An der Beerdigung eine Woche nach Gatelys Tod gab Elton Johns Partner David Furnish der Presse zu Protokoll, dass Stephen Gately in der schönsten Zeit seines Lebens gestorben sei. Eine Zeit, die nun mit wilden Spekulationen beendet wurde.
Von Dani Diriwächter
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