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Paradiesische Ausnahmen im «Same Same»
Phuket fünf Jahre nach dem Tsunami
Für Sam Schwartz wird der Zweite Weihnachtstag in diesem Jahr eine Wunde aufreissen, die kaum verheilt ist. Fünf Jahre wird es dann her sein, dass der Tsunami über Patong Beach auf Phuket hereinbrach und sein langjähriger Lebensgefährte Keong in der mörderischen Welle ums Leben kam.
Keong, ein chinesischstämmiger Malaysier, arbeitete in Sams Boutiquehotel «Club One Seven» direkt am Strand von Patong. Wie durch ein Wunder ist keiner der Gäste des völlig zerstörten Hotels ums Leben gekommen. Das neue Boutiquehotel «Club One Seven» ist ein Stück weg vom Strand wiedereröffnet worden. Sicher ist sicher.
Wären da nicht die blauen Schilder, die die Fluchtrichtung im Falle eines Tsunamis weisen, dann würde in Patong Beach nichts mehr an die Katastrophe vom 26. Dezember 2004 erinnern, die auf Phuket gut 500 Menschen das Leben gekostet hat. Die grotesken Tsunami-Schilder offenbaren die Hilflosigkeit, mit der auf Phuket mit dem Tsunami umgegangen wird: Sie zeigen in die einzige Richtung, in die man laufen kann. Die anderen führen ins Meer.
Wichtiger als Schilder ist das Tsunamiwarnsystem. Das hat auf Phuket und im benachbarten Urlaubsparadies Khao Lak auf dem thailändischen Festland allerdings einen Schönheitsfehler: Es funktioniert nicht. Die Batterie der Boje, die weit draussen auf dem Meer verankert ist und im Falle eines Bebens Warnsignale aussenden soll, ist leer. Wann eine neue Batterie eingesetzt wird, hängt davon ab, wie schnell die Behörden in Bangkok ihren Streit darüber beilegen können, wer die Kosten trägt.
Es fehlt an Visionen
Auf Phuket und vor allem in Patong Beach hat sich seit dem Tsunami nichts verändert. Es herrscht weiter die thailändische «Same Same»-Mentalität. Die Tuktuk-Mafia zockt noch immer die Kunden mit Preisen ab, die um das Drei- bis Vierfache der Tarife in Bangkok liegen. Strassenverkäufer belästigen Passanten. Immobilienhaie betonieren die Insel zu, während den Gemeinden das Geld für Investitionen in die Infrastruktur fehlt. Der Appell von Hotelbesitzern und Reiseveranstaltern, den Wiederaufbau nach dem Tsunami auch für eine Generalüberholung und eine Entwicklung der Urlaubsdestination Phuket zu nutzen, verhallte ungehört. Wolfgang Meusburger, Generalmanager des Holiday Inn in Patong Beach, klagt: «Es fehlt an Visionen.»
In der Schwulen-Szene scheiterte der Versuch eines Neuanfangs, den Daniel See, Manger des «Club One Seven», zusammen mit einer Handvoll anderer schwuler Geschäftsleute auf die Beine stellen wollte, an der «Same Same»-Mentalität der Barbesitzer im schwulen Amüsierviertel «Paradise Complex» in Patong Beach. Im «Tangmo» oder «My Way» setzt man auf das seit Jahrzehnten bewährte Erfolgsrezept aus Dragshows, Go-Go-Boys und dröhnend lauter Musik. Das ist mal ganz nett, urlaubsfüllend ist das nicht.
Etwas Besonderes bieten
So bleibt es Einzelkämpfern wie Daniel vom «Club One Seven» überlassen, Gay Phuket als ein Urlaubsziel zu vermarkten, das mehr zu bieten hat als Sex und Strand. Dazu gehören zum Beispiel Ausflüge mit dem Kanu zu den Unterwasserhöhlen der Phang Nga Bucht. Oder eine Tour mit dem Speedboat zu tropischen Trauminseln in der Andaman-See wie Koh Phi Phi. Tauchtouren können ebenso gebucht werden wie Elefantentrekkings durch den Dschungel oder entspannende Massagen und Wellness-Therapien im Hiranyikara, dem auf Männer spezialisierten Spa. «Wir müssen was Besonderes bieten», sagt Daniel. «Schwule Männer mögen Stil und Extravaganz.»
Khao Lak – schöner, denn je
In Patong Beach gibt es kein offizielles Tsunami-Denkmal. In Khao Lak hingegen herrscht ein Overkill an Gedenkstätten an das Seebeben. Das hat sicher damit zu tun, dass Khao Lak besonders hart betroffen war. 5000 Menschen sind an dem Morgen des 26. Dezember ums Leben gekommen und Khao Lak sowie die benachbarten Fischerdörfer wurden dem Erdboden gleichgemacht. Fünf Jahre später ist das bei deutschen und skandinavischen Urlaubern wegen seiner grossartigen Natur und den langen Sandstränden beliebte Urlaubsparadies schöner, denn je wieder aufgebaut.
Das edle, zwischen Palmhainen und Meer gelegene Hotel «The Sarojin» in Khao Lak hat viele Vorzüge. Da sind zunächst die luxuriösen und trotzdem gemütlichen 57 Designersuiten in den Villen, die diskret versteckt hinter Bäumen und Büschen um eine gigantisch grosse Parkanlage mit Teichen, natürlichen Bächen und Flüsschen und einem Swimmingpool gelegen sind. Ein anderer Vorzug ist Noel, der Imagineer. Dieser Techniker des Vergnügens zaubert nach den Wünschen der Gäste massgeschneiderte Events – wie ein Picknick für zwei mit Champagner und 500 Kerzen an einem der Wasserfälle im Khao Lak Nationalpark oder eine Traumhochzeit am hauseigenen Strand.
Keine-Kinder-Politik
Ein Traum ist auch eine Massage oder eine Wellness-Therapie im Pathway Spa, das gerade von den Lesern des internationalen Reisemagazins «Conde Nast» zum drittbessten Hotel-Spa der Welt gewählt worden ist. Aber der vielleicht entscheidende Vorzug des «Sarojin» ist die Keine-Kinder-Politik. «Wir sind ein Hotel für Paare und schwule Paare sind mehr als willkommen. Wir haben viele schwule Gäste», sagt Kate Kemp, die das «Sarojin» zusammen mit Ehemann Andrew von Grund auf geplant und gestaltet hat.
Der Tsunami war für die Kemps ein Tiefschlag. Vier Jahre lang hatten sie an dem Konzept für ihr Luxushotel gearbeitet, Investoren gesucht, Bankkredite beantragt, das kleine Paradies am Strand von Khao Lak gebaut und mit einem Händchen für Details eingerichtet. Die Eröffnung war für den 31. Dezember 2004 geplant. Dann kam die Welle. Kate erinnert sich: «Das Wasser stand drei Meter hoch. Alles war zerstört. Aber Gott sei Dank ist niemand ums Leben gekommen.» Dass sie von vorne anfangen würden, war den beiden Engländern sofort klar. Kate sagt ruhig: «So ist das Leben. Man darf sich nicht unterkriegen lassen.»
Von Michael Lenz
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