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Hugo Loetscher: In alle Richtungen gehen
Die Ausstellung war als Geschenk der Stadt Zürich zu Hugo Loetschers 80. Geburtstag gedacht
Jede Richtung eine Richtung – die, in die zu gehen ich plante, und die, in die ich ging, und alle jene, von denen ich nie annahm,
dass sie Richtungen sind.
Hugo Loetscher hat als Schriftsteller und Journalist während mehr als sechzig Jahren ein grossartiges Werk geschaffen. Sein Tod hinterlässt eine Lücke im geistigen und gesellschaftlichen Leben des Landes, in das er von seinen zahllosen Reisen immer wieder zurückgekehrt ist: «Hugo Loetscher ist wohl mehr gereist als wir, seine Schriftstellerkollegen, alle zusammen. Man hatte von ihm aber nie das Gefühl, dass er weg sei. Er war immer da», sagte Urs Widmer in seiner Abdankungsrede im Grossmünster Zürich.
In alle Richtungen
Die Ausstellung unter diesem Titel war als Geschenk der Stadt Zürich zu Hugo Loetschers 80. Geburtstag gedacht. Er selbst hat mit viel Begeisterung am Konzept mitgearbeitet. Die Ausstellung hat den Versuch unternommen, sein Leben und Werk anhand von Gegenständen aus seinem Archiv darzustellen und zu würdigen. Es begegnet uns ein scharfsinniger Intellektueller und sprühender Schnelldenker voller Ironie und Humor und ein erfolgreicher Autor von Romanen, Kurzgeschichten, Gedichten, Essays und Reportagen.
Hugo Loetscher war sein Leben lang äusserst engagiert mit pointierten Kommentaren zur Politik der Schweiz. Er präsentierte auch die Welt der Fotografie in Publikationen und Ausstellungen und berichtete über seine zahlreichen Reisen.
Journalismus und Literatur gehen bei Hugo Loetscher Hand in Hand. Seine Texte erscheinen in Zeitungen, Zeitschriften und Anthologien, bis er 1963 mit «Abwässer» sein erstes Buch publiziert. Die allererste Erzählung «Der Holunderstrauch» erscheint bereits 1946 in der Zeitschrift «Zeitbilder» – Vorgänger des heutigen «Magazin» des «Tages-Anzeigers». Seine frühen Texte hat er zusammen mit später entstandenen Kurzgeschichten und Erzählungen 2002 in seinem Buch «Der Buckel» herausgegeben.
His Way
Hugo Loetscher studiert Wirtschaftsgeschichte, Soziologie und politische Philosophie an der Universität Zürich und in Paris. Die Jahre 1950 und 1951 in der französischen Hauptstadt sind für ihn entscheidend. In seiner Dissertation befasst er sich mit der neueren politischen Philosophie Frankreichs. Beeindruckt von Sartre und Camus wird Hugo Loetscher ein engagierter Autor. Die französische Sprache bleibt für ihn immer wichtig.
1958 holt Manuel Gasser, Chefredaktor der Kulturzeitschrift «du», den jungen Autor in die Redaktion und gibt ihm eine eigene literarische Beilage: «Das Wort». Darin werden Briefe von Robert Walser oder Beiträge von Ingeborg Bachmann publiziert sowie junge Schweizer Autoren bekannt gemacht. 1964 wird er Redaktor der «Weltwoche». Hier kann er die unterschiedlichsten Formen des Journalismus erproben, mit Reportagen und tagesaktuellen Artikeln. Ab 1965 reist Hugo Loetscher regelmässig nach Lateinamerika und publiziert seine Beiträge. Er schreibt als Literaturkritiker über Kultur und Politik, Geschichte und Gegenwart für die «NZZ» und «Tages-Anzeiger» und ebenfalls für Radio und Fernsehen. «Reisen ist wie lesen – beginnt man einmal damit, hört es nie mehr auf», hat er einmal gesagt.
Theater
Die ersten Erfahrungen mit dem Theater macht Hugo Loetscher als Statist und Regieassistent am Schauspielhaus Zürich. Dann verfasst er regelmässig Beiträge für die Programmhefte. Sein erstes Drama «Schichtwechsel» wird 1960 uraufgeführt und fällt durch. Doch er schreibt weiter und sein letztes Stück «Die Launen des Glücks» nach Nestroy kommt 1997 wiederum in Zürich zur Uraufführung und findet bei Publikum und Medien erneut wenig Gnade.
War meine Zeit meine Zeit
Sein letztes Buch erscheint wenige Tage nach Hugo Loetschers Tod, im August 2009. Ein paar Tage vorher erhält er im Spital das erste gebundene Buch. Von Fluss- und Lebensläufen – Hugo Loetscher erzählt aus seinem Leben, immer unterwegs zu neuen Ufern und fremden Küsten. Der Text ist die Summe seines Lebens und Schaffens.
Die Erfahrungen seiner Künstler- und Publizisten-Existenz haben darin ebenso Platz wie die vielen Erinnerungen an Kindheit und Jugend in Zürich, die vielen Reisen auf der ganzen Welt und die Gedanken zur Entwicklung des eigenen Glaubens unter dem Stichwort «Credo». Zwei grosse Hauptthemen durchziehen das Buch: das schwierige und ambivalente Verhältnis zu seinem Vater. Und der Lauf der Flüsse, denen Hugo Loetscher begegnet ist, kunstvoll miteinander verflochten, von der Limmat und Sihl zum Amazonas über den Nil bis zum Mekong.
Von Kurt Büchler
Hugo Loetscher. War meine Zeit meine Zeit. Diogenes Verlag, Zürich
Hugo Loetscher. Ausstellung im Museum Strauhof in Zürich bis 28. Februar.
Er ist am 22. Dezember 1929 in Zürich geboren und am 18. August 2009 ebenfalls in Zürich gestorben. |