Schwul wählen
Gemeinde- und Stadtratswahlen in Zürich

Wir betrachten, zugegeben, die Wahlen aus einem einseitigen Blickwinkel und freuen uns, dass sich 13 offen schwul lebende Kandidaten und 3 lesbische Kandidatinnen aus unterschiedlichen Parteien in den Zürcher Gemeinderat wählen lassen wollen.

Der Zürcher Gemeinderat setzt sich aus 125 Mitgliedern zusammen. Er wird alle vier Jahre von den Stimmberechtigten an der Urne gewählt; letztmals am 12. Februar 2006 für die Amtsdauer 2006 - 2010. Wenn wir hier auf die Wahlen vom 7. März 2010 (für die Dauer bis 2014) eingehen, können und wollen wir keinen vollständigen Überblick über alle Parteien, deren Programme und Kandidat(inn)en geben.
Nun, offen schwullesbisch leben ist ja nicht der primäre Grund, warum eine Person gewählt werden soll. Schwule und Lesben sollten sich vor allem daran orientieren, welche Parteien sich bisher schon für schwullesbische Anliegen stark gemacht haben. Und welche Parteien heute die noch offenen Anliegen im Programm für die Zukunft haben. Da hat eine grosse Partei einen guten Leistungsausweis. Aber man sollte sich auch bei kleineren Parteien umsehen, die recht kämpferisch auf immer noch vorhandene Probleme aufmerksam machen und nach Lösungen suchen.
Die SP galt bislang bei vielen Schwulen und Lesben als die Partei, die sich am meisten um ihre Anliegen gekümmert hat. Vielen ist die Partei aber in der Stadt Zürich zu mächtig geworden. Da sind die Grünen und die AL eine gute Alternative. Und wer geglaubt hat, die CVP sei immer noch die Partei der traditionellen Familie, sieht sich getäuscht. Auch hier gibt es heute einen Kandidaten, der offen in Eingetragener Partnerschaft lebt.

Gemeinderatswahlen
Die uns bekannten offen schwul und lesbisch lebenden Kandidaten und Kandidatinnen:

Kreis 1/2
• Ammann Jürg, 1951, Leiter Beratungsstelle Soziale Dienste Zürich (Grüne)
• Garcia David, 1975, Dr. med., Arzt (AL – Alternative Liste)

Kreis 3
• Abele Martin, 1963, (bisher), Soziologe, Geschäftsleitungsmitglied (Grüne)
• Hungerbühler Markus, 1974, lic. phil., Historiker, Präsident CVP Stadt Zürich, (CVP – Christlichdemokratische Volkspartei)

Kreis 4/5
• Huber Patrick Hadi, 1980, Projektleiter, Eventorganisator, Präsident SP4 (SP)
• Barrile Angelo, 1976, Arzt, Co-Präsident SP5 (SP)
• Lisa Kromer, 1974, Mutter, Pflegefachfrau, Koordinatorin einer Frauenrechtsorganisation (Grüne)
• Recher Alecs, 1975, (bisher), Heilpädagoge, Jurist (AL – Alternative Liste)

Kreis 6
• Denoth Marco, 1975, dipl. Architekt ETH, (SP)

Kreis 7/8
• Filli Peider, 1958, (bisher), Trampilot (Grüne)

Kreis 9
• Sangines Alan David, 1986, kaufm. Angestellter (SP)
• Hofmann Gioia, 1965, Krankenschwester, Gerontologin (Grüne)
• Daniel Römer, 1962, Psychiatriepfleger, Mitglied der Sozialbehörde der Stadt Zürich (Grüne)

Kreis 10
• Brander Simone, 1978, (bisher), Umweltfachfrau (SP)

Kreis 12
• Wyss Thomas, 1967, (bisher), Apotheker FPH, Fachkundelehrer (Grüne)
• René Lorétan, 1944, Elektroingenieur ETH (Grüne)

Stadtratswahlen
In unserer Ausgabe CR Winter-Edition sind wir auf die ebenfalls am 7. März stattfindenden Stadtratswahlen eingegangen und haben den Kandidaten André Odermatt (SP) im Interview vorgestellt. Nicht, dass wir ihn favorisieren. Aber uns interessierte damals das Thema, dass ein offen schwul lebender Mann in den Stadtrat einziehen könnte. Ob André Odermatt als Stadtrat Schwulenpolitik oder einfach als Schwuler Politik machen wird, sei dahingestellt. Vielleicht ist man ja auch gut bedient mit einer schwulenfreundlichen Partei, die einen Hetero als Stadtrat portiert. Esther Maurer (SP), Robert Neukomm (SP) und Kathrin Martelli (FDP) geben ihre Sitze im Stadtrat frei. Die beiden Parteien stellen natürlich ihren Anspruch und portieren Urs Egger (FDP), André Odermatt und Claudia Nielsen (SP). Aber auch die Grünen und die AL (beide mit guter schwullesbischer Vertretung im Gemeinderat) buhlen zu Recht um die Gunst der Wähler und wollen Daniel Leupi und Walter Angst im Stadtrat.

     von Martin Ender