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Coco Chanel & Igor Stravinsky
Eine leidenschaftliche Affäre
von Daniel Diriwächter
Coco Chanel galt als das
Enfant terrible der Modewelt, ebenso revolutionierte Igor Stravinsky die klassische Musik auf seine Weise. Beide
polarisierten ungemein. Es war eine Frage der Zeit, bis beide Ikonen und deren Kunst zusammentrafen – im Bett.
Paris im Jahre 1973: Igor Stravinsky (Mads Mikkelsen) verfolgt nervös die Premiere seines Balletwerks «Le sacre du printemps» im Théâtre des Champs-Élysées. Doch vermeintliche Bewunderung schlägt in einen gnadenlosen Verriss um. Das Publikum, die französische Elite, ist alles andere als begeistert, ein Tumult entsteht. Auch Coco Chanel (Anna Mouglalis) wähnt sich im Saal und verfolgt amüsiert das chaotische Treiben. Denn die Musik interessiert sie nicht, sondern der Mann hinter dem Vorhang.
Es vergehen sieben Jahre und Chanel etablierte sich zwischenzeitlich in der Modewelt und verfügt inzwischen über entsprechende Mittel. Stravinsky hingegen lebt nach der russischen Revolution im französischen Exil. Chanel bietet ihm an, mitsamt seiner Familie auf ihren mondänen Landsitz zu ziehen. Dankbar akzeptiert Stravinsky das Angebot. Dort feilt Stravinsky weiterhin an seinem Opus, indes revolutioniert Coco mit ihren Entwürfen die Modewelt und kreiert das legendäre Parfum Chanel No° 5. Die beiden Genies verbindet das Feuer für ihre Arbeit und eine Affäre nimmt ihren Lauf, während Stravinskys Gemahlin Catherine (Elena Morozowa) ans Krankenbett gefesselt ist.
Coco Chanel werden unzählige Affären nachgesagt, doch diejenige mit Igor Stravinsky lohnt sich nachzuerzählen, auch wenn sie nur eine Fussnote beider Biografien darstellt. Obgleich die Geschichte nicht viel zu offenbaren hat, schöpft Regisseur Jan Kounen deshalb aus dem Vollen, wenn er die Premiere von «Le sacre du printemps» in wuchtiger Opulenz in Szene setzt. Nach dem Zeitsprung wechselt die Szenerie allerdings ins beschauliche Landleben und ein erotisches Kammerspiel beginnt, in dem die drei Hauptdarsteller zu brillieren vermögen.
Mit «Coco Chanel & Igor Stravinsky» adaptierte Regisseur Jan Kounen eine knappe Anekdote nach einer Romanvorlage von Chris Greenhalgh auf Spielfilmlänge. Ein leidenschaftliches Intermezzo, das besonders durch die pompöse Ausstattung beeindrucken kann.
Es ist jedoch am Ende nicht der Film beider titelgebender Protagonisten, sondern die Episode der Catherine Stravinsky, welche sich ihrer Macht auf das musikalische Schaffen ihres Gatten nicht bewusst ist. Sie läuft in dieser Dreierkonstellation ins Messer und vermag dadurch die Dramatik von «Coco Chanel & Igor Stravinsky» auf sich zu ziehen.
Ab 6. Mai 2010 im Kino
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