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Der Gewinner ist... Dominic Hunziker!
Mister Gay Wahlen 2010
Nachdem sich über Jahre niemand so richtig für das Organisieren der Mister Gay Wahlen interessiert hatte, hat Oliver Eschler vor gut einem Jahr die Wahl wieder belebt. Cruiser bemängelte damals, eine falsche Preispolitik hätte am Finale-Abend
die Alte Börse nur gerade mal zur Hälfte zu füllen vermögen. Dieses Jahr war
nun das Zürcher Volks-haus zum Bersten voll.
Damals soll das «All Inclusive»-Getränkekonzept zum halbleeren Saal aber auch zu einer mehr als guten Stimmung geführt haben. Der Berichterstatter schrieb: «Die Stimmung im Publikum war mehr als nur ausgelassen, die Bar immer gut frequentiert und der eine oder andere Zuschauer schon vor der Kür des neuen Mister Gays bis an seine Toleranzgrenze alkoholisiert.»
2010 fand das Grand Finale nun im Zürcher Volkshaus statt. Und diesmal war der Saal voll. Mehr als voll. Der Veranstaltungsbeginn verzögerte sich, weil erst noch weitere Tische und Stühle bereitgestellt werden mussten, um noch wartenden Gästen (und Ehrengästen) einen Sitzplatz anbieten zu können – seis dann auch nur in den hinteren Ecken neben der Bar, mit eingeschränkter Sicht auf die Bühne, dafür mit umso mehr Lärm von der Bar her. Doch schliesslich nahm das Grand Finale seinen langen Lauf.
Das Grosse Finale im Volkshaus
«Grand» nennt sich das Finale, weil nebst mehreren Gruppen- und Einzelpräsentationen der Kandidaten noch manch anderes in die Show reingepackt wurde. So der «MrGay Alliance Award». «Finale» nennt sich das Grand Finale, weil ihm eine ganze Tour von Clubbesuchen vorausgeht. Ab Ende Januar bis Mitte März tourten die Kandidaten von Basel bis Luzern, von Lausanne bis Zürich kreuz und quer durch die Schweiz. Dabei konnten sie sich schon mal an das Auftreten vor Publikum gewöhnen. Lernen, sich auf der Bühne zu bewegen, sich in Pose und ins rechte Licht zu
rücken, Statements zur Aids-Prävention abzugeben und natürlich verbal die Werbetrommel zu rühren, warum sie Mister Gay werden wollen. Die Tour und die Schulung haben sich gelohnt. Die Auftritte wirkten professionell und Melanie Winiger und Alf Heller gaben gekonnte Einstiegshilfen, wenn es um die verbalen Auftritte der Kandidaten ging.
Aber auch dieses Jahr wurde die Stimmung von Stunde zu Stunde lauter, und manche Botschaft oder Laudatio, im Programm zu spät angesetzt, ging unter. So auch die Verleihung des «MrGay Alliance Award» an die Zürcher Kantonalbank. Aufgefallen ist dann diese Einlage zum Schluss doch noch. Nämlich dadurch, dass bei der Preisverleihung an den ZKB-Vertreter der Preis erst nicht auffindbar war. (Da zu befürchten ist, dass auch hier in der Berichterstattung zur Mister Gay Wahl dieser Preisverleihung nicht gebührend Gewicht gegeben werden kann, werden wir im nächsten CR darauf eingehen.) Einzelnen Gästen wurde es mit der Zeit zu unruhig im Saal, so dass sie die Veranstaltung sogar vor dem Wahl-entscheid verliessen. Doch eine kochende Stimmung gehört wohl zu diesem Anlass: Nur stellt sich die Frage: Was machen all die in höchsten Tönen kreischenden Girls an einer Mister Wahl, wenn der Gewählte gay ist, um nicht zu sagen, der Gay aller Gays. Und der heisst definitiv:
Dominic Hunziker.
Ein Mann, der weiss, was er will: gewinnen
Das Aufnahmegerät beim Interviewgespräch war schon aus. Auf die nachträgliche Frage: «Wie bist du dazugekommen, dich als Kandidat zu melden, hast du dich selber angemeldet?», antwortet er sehr schnell. «Ja, ich habe mich selber angemeldet und ich hatte das feste Ziel, Mister Gay zu werden.» Erst aber baten wir Dominic, sich in wenigen Worten zu beschreiben und stellten die simple, aber nicht einfache Frage: «Dominic, wer bist du?», Nach einem kurzen «Ufff» kommt die konzentrierte Aussage: «Ich bin ein 25jähriger Architekturstudent, der im Aargau wohnt, in Luzern studiert und in Zürich einen Freund hat.» Einstudiert? Nein, so wirkt Dominic nicht.
Zwei Leidenschaften
Sein Studienfach ist Architektur. Und dem geht er mit Leidenschaft nach, weil Architektur kreativ ist, weil es in der Architektur längst nicht mehr nur um die Form geht, sondern auch um oekologische und oekonomische Fakatoren. Und das ist ihm wichtig. Wenn das laufende Semester zu Ende ist, geht sein Studium noch ein Jahr. Insgesamt beträgt die Studienzeit fünf Jahre bis zum Master. Den Bachelor hat er im vergangenen Sommer abgeschlossen.
Eine andere Leidenschaft ist die Musik. Er war mal bei MusicStar dabei und schaffte es bis unter die letzten 24 Kandidaten (von rund 2000). Zwölf kamen dann in die Sendung, er leider nicht. Musik hat aber nach wie vor einen hohen Stellenwert in seinem Leben. Er spielt Klavier, schreibt eigene Lieder (Mundart) und singt.
In den drei Wochen WK hat er gemerkt, wie ihm das fehlt: «Ich musste mich dann am Wochenende ans Klavier setzen». Am liebsten macht er beides zusammen, in die Tasten greifen und singen.
Prävention in der Beziehung
Die Kandidaten wurden angehalten, sich ein Präventions-Thema auszusuchen und ihr Wissen daraufhin zu spezialisieren. Dominic entscheid sich für das Thema «Beziehung». Was das konkret bedeute, wollten wir wissen: «Man muss in der Beziehung abmachen, was man für eine Beziehung führt, und man muss miteinander reden. Ich und mein Freund beispielsweise haben eine geschlossene Beziehung. Und nichts anderes. Ansonsten ist es wichtig, wenn die Beziehung offen ist oder ein Seitensprung passiert, dass dies klar ist, dass geredet wird und beide von da an wissen, dass sie sich schützen müssen. In solchen Situationen nichts zu sagen, geht einfach nicht.»
Ein Mister vom Land
Dominic kommt aus dem Aargau, genauer gesagt aus Moosleerau. Das liegt zwischen Sursee und Aarau. Er befürchtet, dass auch Sursee die wenigsten kennen. Die Gemeinde zählt gerade mal 820 Einwohner. Kann man das als Schwuler aushalten?
Die Antwort: «Es ist nicht so, dass ich das aushalten müsste. Es ist eine schöne Gegend. Dass ich noch da wohne, hängt damit zusammen, dass es nicht weit nach Luzern ist, wo ich meine Ausbildung fertig machen will.»
«Die Leute sind zwar schon eher konservativ, aber es sind eigentlich alle damit gut umgegangen», sagt Dominic, und meint weiter zu seinem Coming-out: «Das war gar nicht so schwierig. Es dauerte aber eine Zeit, bis ich es mir selber eingestanden habe, das war erst mit 21. Wie ich es schliesslich mitteilte, stand ja schon in allen Zeitungen, fast peinlich. Ich informierte meine Eltern per SMS. Sie waren in den Ferien und ich fragte, ob sie Schwierigkeiten hätten, einen Schwiegersohn anstelle einer Schwiegertochter zu haben... Sie fanden das ok und meinten, ich müsse ja glücklich werden. Die Kollegen haben es gut aufgenommen.»
Zum Schluss wollten wir wissen, wie das Amtsjahr aussehen wird. Dominic sagt dazu Folgendes: «Es wird stressiger, das merke ich jetzt schon, die Schule geht weiter. Ich habe viel mehr Termine. Ich erlebe extrem viel Neues und es ist bisher alles interessant gewesen und nichts dabei, das mich genervt hätte. Ich komme jetzt als Mister Gay öfters nach Zürich und so kann ich auch meinen Freund öfter sehen. Ab und zu begleitet er mich auch. Ich werde ein Auge darauf haben, dass die Beziehung nicht zu kurz kommt.»
von Martin Ender |