«Where the Boys Are»
Fort Lauderdale hat South Beach in Miami als Gay-Destination überholt

Von Kurt Büchler

«Where the Boys Are», hiess der Film mit Connie Francis, der 1960 in Fort Lauderdale gedreht wurde und das Venedig Nordamerikas, wie die Stadt auch genannt wird, für Gays aus aller Welt bekannt machte.

Waren es zuerst die College Boys und Girls, die während den Spring Breaks die Hotels und Resorts füllten, sind es heute Gays, die das ganze Jahr Days und Nights in dieser Stadt geniessen. Nachdem die Strassen von Miami immer unsicherer geworden sind, hat sich die Gay Community neu orientiert, so dass Fort Lauderdale zur Gay-Destination Numer 1 von Nordamerika geworden ist. Mehr als 100 Unternehmen sind im Besitz von Gays, darunter Hotels und Guesthouses, Bars, Clubs und Restaurants und drei grössere Gay / Lesbian-Printmedien. Drei sehr populäre Beaches sind am 23 km langen, weissen Strand fest in Gay-Hand, die bekannteste, Sebastian Beach, im Zentrum. Klar, dass es hier jede Menge Liegestühle und Sonnenschirme zu mieten gibt, wenn auch nicht gerade billig.

Bald «Sexiest Place on Earth»?
Richard Gray, der 1991 sein Royal Palms Resort, das erste 5*-Gay-Resort gründete, erhielt kürzlich den von LOGOonline.com zum ersten Mal vergebenen «Gay+ Award for Achievement in Making Our World Gayer» für seine Marketing-Anstrengungen für den Gay Tourismus in Fort Lauderdale. Die Stadt selbst wurde ausserdem zusammen mit Mykonos, Buenos Aires, Paris and Madrid als «Sexiest Place on Earth» nominiert. Die Abstimmung läuft online bis im November.
Das Broward Center for Performing Arts hat sich einen Namen geschaffen. Nebst Konzerten und anderen kulturellen Veranstaltung ist der Broadway omnipräsent. Jetzt gerade mit dem Musical «Mary Poppins», im Herbst mit den neuen Broadway Produktionen «Young Frankenstein», «Burn the Floor», «Rock of Ages», dann aber auch mit «Les Miserables», «West Side Story» oder «Hair» im nächsten Sommer.
Der Atlantic Boulevard und seine Beach Promenade sind auch bei Spaziergängern, Velo-Fahrern und Inline-Skatern sehr beliebt. Mitten drin geht der Las Olas Boulevard, eine schicke Shopping- und Restaurant-Meile, ins Landesinnere. Geschäfte und Restaurants der gehobenen Klasse laden zum Einkaufen und Essen ein. Ganz in der Nähe der sehr beliebte Riverwalk, die Flusspromenade, dem New River entlang. Dieser Weg führt zum Museum of Art und dem Museum of Discovery and Science oder dem Old Fort Lauderdale Village & Museum. Reizvoll ist es auch, mit der zwar etwas kitschigen «Jungle Queen», die einem Mississippi-Raddampfer nachempfunden ist, eine Reise durch die endlosen Kanäle und Wasserstrassen, zu machen entlang der Luxusvillen. Vom Captain animiert, winken aus den Vorgärten die Villenbesitzer den Touristen zu – und das jeden Abend. Wenn es dunkel ist, wird Halt gemacht auf einer Insel in einem grossen offenen Holzbau. Ein Essen vom Grill mit genügend Bier – das Oktoberfest lässt grüssen.
Südlich von Fort Lauderdale im Port Everglades sind die grossen Piers und Eincheck-Hallen zu den immer grösser werdenden Kreuzfahrt-Schiffen. 1927 wurden sie offiziell eingeweiht, zwei Jahre, bevor 1929 der Airport Fort Lauderdale eröffnet wurde. Als Hafen für den Güterumschlag geplant, hat er sich in den vergangenen Jahrzehnten zur Anlaufstelle für Kreuzfahrten entwickelt.
Im Landesinneren liegt das riesige Naturschutzgebiet Everglades. In diesem natürlichen Sumpfgebiet  sind  viele Fische und Vogelarten heimisch. Ebenfalls die unterschiedlichsten Pflanzenarten wachsen nur in diesen Sümpfen. Die Alligatoren sind hier frei lebend, hautnah zu beobachten. Die Everglades, mit mehreren Tausend Quadratkilometern, wurden bereits in den 50er Jahren als Naturschutzgebiet deklariert. Anschliessend daran befindet sich der Sawgrass Recreation Park, beide sind Heimat und Stamm-Territorium der Seminole-Indianer. Hier in der Nähe wurde mit Sawgrass Mills die wahrscheinlich grösste Shopping Mall der Welt gebaut. Damit niemand die Orientierung verliert, ist die gesamte Mall in fünf grosse Einkaufsstrassen, die Avenues, unterteilt. In den mehr als 400 Geschäften trifft man auf alle weltbekannte Marken. Ein besonderes Erlebnis ist der riesige Food Court «The Eye of the Hurricane» mit Spezialitäten-Restaurants der ganzen Welt. Kinos und Spielplätze für Kinder vervollständigen das Angebot.

Dining
Der Restaurateur Stephen Starr, dessen kulinarisches Imperium Restaurants in Philadelphia und NYC einschliesst, hat am Beach Boulevard sein Steak 954 eröffnet. Im unwahrscheinlich guten Angebot aus der Küche sind die gegenwärtig wohl besten Steaks weltweit erhältlich. Das extravagante Restaurant mit einer riesigen Aquarium-Wand, vor der weisse Seequallen auf und niederschweben, umfasst 240 Sitzplätze und sieht eher wie ein Club aus. Viele Tische sind auf der Terrasse mit direktem Blick auf das rauschende Meer.

Parties, Bars and more
Ob Rocky Horror Picture Show oder Striptease, in allen Bars und Clubs sind täglich wechselnde Themen-Parties programmiert. In Wilton Manor am Wilton Drive haben sich die verschiedensten Unternehmen des Gay Life konzentriert. Hier ist am Wochenende auch ein Shuttle Bus in Betrieb, mit dem man bequem von einer Location zur anderen kommt.
Don’t miss Bill’s Filling Station. Da wo früher ein beliebtes Gay-Restaurant war, das «Christmas in July» feierte, mit der üblichen Weihnachtsdekoration, hat sich Bill’s Filling Station installiert. So brutal geht es allerdings nicht zu und her, auch wenn es öfters eine Happy Hour gibt und auch kleinere Showstars ihren Auftritt haben. Am Sonntag gibt es gar Gratis-Food.
Gleich gegenüber liegt Georgie’s Alibi VideoBar, Café and Sports Bar. Georgie’s Bar und sein berühmtes Restaurant war früher an einem grossen Boulevard. In diesem Komplex kann man Billard spielen oder sich mit Freunden treffen. Leere Stühle an der Bar oder an den Tischen sind selten. Gleich in der Nähe der Gaymart, ein sehr angenehmes Ladenlokal mit Backgroundmusik, Badeslips und weiteren Textilien, auch mit Glückwunschkarten und anderen Produkten, nice to have – und ausgesprochen freundlichem Personal.

Zurück auf die andere Strassenseite. Im Courtyard Cafe stehen leckere, einfachere Gerichte auf der Karte. Unter einer Arkade stehen die Tische. Ein gemütliches Kommen und Gehen. Etwas weiter weg ist Rosie’s Bar and Grill. Wir würden dazu sagen, ein Gartenrestaurant, where the Locals go for Vacation, wie es in der verführerischen Werbung heisst. Auf der anderen Seite von Wilton Manors, das Tropics. Ein sehr gutes, unkompliziertes Restaurant mit freundlichen Kellnern und einem Top-Angebot.

Bars unlimited
Nicht weit davon, die gute alte Ramrod Bar, innen etwas dunkler und härter mit Kerls und freundlichen Barkeepern. Hinten raus geht es zur Openair-Aera, voller Männer, Bier und vielen Gesprächen. Der alte Eagle wurde vor ein paar Jahren geschlossen, wie Phoenix aus der Asche ist er auferstanden. Ein Besuch lohnt sich nicht – oder doch? Je nachdem, was man sucht. Gleich beim Eintritt wird Mann vom halbnackten Chef herumgeführt in alle Ecken und Winkel des Lokals, mit der Betonung, dass man sich gerne ausziehen darf und den Gogo-Boy in seinem Käfig auch berühren darf...

Das Gay-Mekka Floridas ist selbstverständlich voll mit Gay Guesthouses. Die Qual der Wahl. Ein Blick bei Google auf «Gay Fort Lauderdale» und man ist dabei. Ob Blue Dolphin oder Palm Plaza Gay Resort mit Steve, der bei jedem Bodybuilder-Contest wohl Aussicht auf einen Podestplatz hätte, oder wie die Paradiese alle heissen: Man ist gut aufgehoben.