An der Mr Gay-Wahl gab es zwei Sieger
Im Schatten von Dominic Hunziker gewann die Zürcher Kantonalbank einen neu geschaffenen Award

Von Martin Ender

An der diesjährigen Mr Gay-Wahl gab es nebst dem Mr Gay-Titel noch einen weiteren Preis. Zum ersten Mal wurde der Mr Gay Alliance Award vergeben. Der Award ist eine Auszeichnung für den normalen und selbstverständlichen Umgang mit Homosexuellen. Gewinnerin des Preises 2010 ist die Zürcher Kantonalbank.

Dominic Hunziker, MrGay 2010, hatte die Tage nach seiner Wahl alle Hände voll zu tun. Termin reihte sich an Termin, nicht nur mit Journalisten der Gaypresse. Jeder wollte von ihm wissen, wie er sich nun fühle, was dieser Preis für ihn bedeute, ob der Titel sein Leben verändere...
Im Fall der Zürcher Kantonalbank blieb es ruhiger. Die Presse nahm keine Notiz von dem Award. Grund für uns, bei der ZKB anzufragen, ob die Bank auf den Titel stolz sei, was die Auszeichnung für sie bedeute und ob der Award Einfluss auf zukünftige Entwicklungen in der Bank haben werde... Im Gespräch mit Roland Aepli, Projektleiter Marketing Privatkunden, und mit Simon Romer, Projektleiter Marketing Privat Banking, zeigte sich, dass man durchaus stolz auf den Preis ist. Natürlich war die Nomination eine Überraschung, zugleich wurde sie aber sehr positiv aufgenommen. Auch in der obersten Geschäftsleitung. Der Weg dahin wurde zügig durchschritten und es war klar, dass ein Mitglied der obersten Geschäftsleitung allenfalls den Preis entgegennehmen würde. Das einzige Problem war dann, relativ kurzfristig jemanden zu finden, der an dem Abend noch Zeit hatte.

Freude an der Nomination
Dass die Nomination auf allen Ebenen bankintern so normal aufgenommen wurde, hat eine Vorgeschichte und ist zugleich die Erklärung dafür, warum die Juroren den Preis der ZKB verliehen haben. Aepli meint dazu: «Das ganze Thema haben wir Monate davor schon intensiv bearbeitet. Die Leute in der Bank sind sensibilisiert.» Romer präzisiert: «Bemerkenswert ist, dass die ZKB nie entschieden hat, am Tag X Gay-Marketing zu betreiben. Es war ein Prozess, der sich über die letzten Jahre entwickelt hat. Auslöser war sicher das Partnerschaftsgesetz. Die Bank sah eine Möglichkeit, die Kompetenz und das Fachwissen der ZKB im in den Bereichen Finanzberatung, Erben und Steuern dieser Zielgruppe näher zu bringen. Daraus entstand die Idee, Veranstaltungen durchzuführen. Und unabhängig davon ist entschieden worden, Inserate zu schalten.»
Und Aepli fügt an: «Es waren zwei parallele Schienen. Die hatten nichts miteinander zu tun. Ein Anstoss kam von der Werbung mit der Eigenheimkampagne mit fünf Sujets. Man war der Ansicht, die Zeit sei reif, u.a. auch mit einem Männerpaar zu werben. Die andere Schiene war der Vertrieb selbst und die Finanzberatung. Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass dahinter intern nicht etwa eine homosexuelle Lobby steckt, sondern beide Ideen stammen aus heterosexuellen Kreisen.»

Bisheriges ZKB-Engagement
Insgesamt organisierte die ZKB vier Veranstaltungen zum Partnerschaftsgesetz, es folgte das ZKB-Forum «Wohntraum verwirklichen» im Herbst 2009. Es gab Veranstaltungen anlässlich des OrangeCinema 2009 mit dem Film «Milk» oder einen Fussballabend während der EM 2008 in der VIP-Lounge auf der Seeplattform. in diesem Jahr war ist die ZKB Werbepartner des Pink Apple Filmfestivals und ist neu Sponsor bei «Le Weekend Rose» anlässlich des «Festival da Jazz» in St. Moritz, welches am 30. und 31. Juli 2010 stattfinden wird. Darüberhinaus verwendet die ZKB seit 2007 auch ein Männerpaar als Werbesujet, welches regelmässig in Inserat- und Plakatkampagnen zum Einsatz kommt.

Einfluss auf zukünftige Entwicklungen
Gleichgeschlechtliche Paare haben, wie übrige Konkubinatspaare auch, sowohl in rechtlicher wie auch in finanzieller Hinsicht einen hohen Beratungsbedarf. Beispiele hierfür sind gegenseitige erbrechtliche Begünstigungen, Lösungen zu Vorsorge-
und Steuerfragen sowie Fragen bei einem Immobilienerwerb. Seit Jahren hat die ZKB im Bereich der Finanzberatung eine hohe Fachkompetenz und entsprechend ausgebildete und praxiserfahrene Mitarbeitende, sie sich diesen Fragen annehmen.
Romer ist überzeugt: «Der Award hat einiges ausgelöst in der Bank und intern die Diskussionen intensiviert. Die Auszeichnung bestätigt die Bank in ihrem Vorhaben, Schwule und Lesben weiterhin aktiv in die vielfältigen Aktivitäten einer Universalbank einzubinden.»
Aepli ergänzt: «Der Preis führt uns auch vor Augen, dass die Arbeit, die wir leisten, einen Wert hat und er bedeutet auch eine Wertschöpfung im Personalbereich. Er hat uns sehr viel Rückenwind gegeben, dieses Marketing in der Geschäftsleitung zu verankern und voranzutreiben.»